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Left to Die

»Initium Mortis«

Relapse Records

Ehemalige Mitglieder von Death und Musiker von Gruesome (der anderen Death-Tribute-Kapelle) haben musikalisches Material von frühen Death und Mantas-Demos (dem Vorgänger von Death) »ausgegraben« und stellen es nun frisch »plastiniert« aus. Unter Verwendung weiterer makaberer Metaphern (»Leichenfledderei«, »Grabpflege« etc.) könnte ich mich an dieser Stelle mit diesem musikalischen Wiedergänger (»Zombie«) wortreich auseinandersetzen, aber ich spare mir (ausnahmsweise) die naheliegende »Grabrede«, denn die Tatsache, dass auf »Initium Mortis« musikalische Erbstücke von Chuck Schuldiner in neuer Bearbeitung vorgelegt und so in Ehren gehalten und für nachwachsende Generationen in die Gegenwart gebracht werden, ist Ausdruck einer (mittlerweile selbst schon historischen) Entwicklung in der Popkultur, die wenigstens seit fünfzehn Jahren unter dem Stichwort »Retromania« diskutiert werden kann: die Erfahrung des Alterns und die sich daraus ergebende Aufgabe, sich mit dem auseinandersetzen zu müssen oder zu können, was als Vergangenheit einen langen Schatten wirft und bis in die Gegenwart hineinwirkt. Die jeweils jüngere Generation steht vor respekteinflößenden Archiven voller Klassiker und denen, die »früher« schon dabei waren, stellt sich die Frage, wie sie weitermachen können, wenn sie mitunter das mulmige Gefühl beschleicht, sie könnten ihre besten Zeiten bereits hinter sich haben. Irgendwie bzw. um der (eigenen) Gegenwart und Zukunft willen muss der stets anwachsende Berg an Popkulturgeschichte bearbeitet werden. Wenn jetzt also Left to Die sich am Mantas-/Death-Fundus bedienen, dann muss man ihnen das nicht vorwerfen – zumal das Ergebnis stimmt. Als Zeitzeugen und ehemalige Weggefährten von Schuldiner haben Rick Rozz und Terry Butler es nicht verlernt und die Nachkommen Matt Harvey und Gus Rios wissen auch, wie sie es machen müssen. Der Old-School-Death-Metal auf »Initium Mortis« ist druckvoll und pointiert – aber nicht zu sauber! – produziert: Jeder Schlag sitzt, jedes Riff passt, alle Soli werden treffsicher und pfeilschnell herausgeschossen und der gutturale Gesang ist ausdrucksstark. Was will man mehr? Keine rhetorische Frage, denn es gibt eine große Zahl an Produktionen und Alben, denen es an solcher Effizienz und Effektivität mangelt. Left to Die machen weder zu viel noch zu wenig und daher alles richtig.

Home / Rezensionen

Text
Holger Adam

Veröffentlichung
05.08.2026

Schlagwörter

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