Wenngleich 29 Gartenkonzerte für Senior*innen in sogenannten Häusern zum Leben und ein sonntäglicher Jazz-Brunch am Rathausplatz ein zusätzlicher Faktor sind, »Kultur so nah« (heuriges Motto) an Interessierte zu bringen, so bilden doch die Open-Air-Bühnen auf ausgesuchten Plätzen und Parks die Keimzelle des Festivals Kultursommer Wien. Menschen aus diversen urbanen Lebensrealitäten können zwischen 10. Juli bis 16. August 2026 jeweils von Donnerstag bis Sonntag zusammenkommen, um Sounds, Tanz & Performance, zeitgenössischen Zirkus, Theater, Kabarett und Literatur live zu erleben. Seit sieben Jahren wird die Neighbourhood in den Grätzeln mit Kultur versorgt und vermehrt wird dazu beigetragen, zur aktiven kulturellen Teilhabe zu animieren.

Mitmachprogramme mit Speed Friending
Beim Kultursommer Plus gibt es einige Mitmachformate, wobei die Palette von Mal-Sessions über Picknick, Safer Spaces und Kinderfeste bis Digital Detox reicht. Letzteres ermöglicht, auf das Smartphone zu verzichten und Kunst ohne KI-Hilfe zu drucken. Ein Connection Kiosk am Sonntag, dem 19. Juli ab 16:00 Uhr im Waldmüllerpark in Wien Favoriten regt dazu an, neue Bekanntschaften zu machen. Begegnungen können zu neuen Freundschaften oder zumindest tiefgründigen Gesprächen führen. Auch wird Kreativität gefördert. Ein Zine zu gestalten, ist ebenso drin, wie ein kleines Kunstwerk zu produzieren, das via Tauschökonomie gleich den Besitzer wechseln kann. Nicht Geld, sondern Zeit und Kunst sind die Währung an diesem Connection Kiosk, der sogar über einen Aufmerksamkeits-Automaten verfügt. Ziel ist die Stärkung von Wohlbefinden und Selbstbewusstsein durch soziale Teilhabe.
Frech im Jugendsprech klingt die Einladung zum Finden von Festival-Buddies in den Stadtpark Atzgersdorf am Freitag, dem 10. Juli ab 17:00 Uhr: »K+ Speed Friending has entered the groupchat! Im Stadtpark Atzgersdorf packen wir unsere Picknickdecken und cutesten conversation starters aus, wir reduzieren unsere screentime und maxxen unsere social butterfly energy. Weil neue Leute kennenlernen gar nicht immer so leicht ist und wir Lust haben, unsere sozialen Bubbles auch mal ein bisschen zum Platzen zu bringen. Algorithmus adé, wir treffen einander in real life.«

Programmhighlights im Stadtpark Atzgersdorf
Im Anschluss ans Mitmachformat steigt am Freitag, dem 10. Juli ab 18:30 Uhr das Bühnenprogramm mit lässiger Popmusik von Mira Perusich, mehrsprachig wie jene von EsRap, die ab 20:00 Uhr mit dem Experimenten nicht abgeneigten Pianisten Marino Formenti Rap mit Klassik kreuzen. Der Liesinger Park in der Nähe der S-Bahn-Station Atzgersdorf, romantisch gelegen im Neubaugebiet eines ehemaligen Sargfabrikgeländes, hat es 2026 programmmäßig in sich: Beim Kultursommer-weiten Act-Suche-Schnelldurchlauf erfolgen die meisten Treffer. Also sämtliche Events in dieser kleinen grünen Lunge, die der Autor dieser Zeilen gerne alle erleben wollen würde, hätte er alle Zeit der Welt dafür:
11. Juli: Nenda, 12. Juli: Alicia Edelweiss, 16. Juli: Nina Ogot Band mit Afrofusion aus Kenia, 18. Juli: Logan Power Quehenberger Mozart, 23. Juli: Luz Karpat: Eastern Europe Dreaming of Latin America, 30. Juli: Leléka: Ukrainian Folk Jazz; Kollegium Kalksburg, 2. August: Tini Trampler & die Playback Dolls, 8. August: Sinad Ma’ala Quartett feat. Vesna Petković, 9. August: Yeden Ensemble: Maqams, 13. August: Yentes Kuzine & Roman Grinberg: Jiddische Lieder, 16. August: Emiliano Sampaio & Friends: Roda de Samba. Zwei Highlights seien noch extra herausgefiltert. Am 23. Juli um 20:00 Uhr steigt »Tale of The Firebird«, eine konzertante Aufführung des Freestyle Orchestra für Violine, Feuer und akrobatische Musiker*innen, mit dem die Komponistin Chloe Charody Hoffnung schenkt und selbst in die dunkelsten Momente der menschlichen Existenz Erleuchtung bringt.

Black & Queer beim Kultursommer
Stimmen aus der BIPOC und LGBTQIA+ Community sind beim Kultursommer Wien ebenfalls zahlreich vertreten. Gleich sechs Poetinnen begehen am Sonntag, dem 9. August ab 18:30 Uhr einen Black Queer Poetry Showcase. Gawdesque, Tayla Myree, Iris Neuberg, Munira Mohamud, Yielu und Nepor Sandei rücken Afrorealismus & Futurismus ins Zentrum und berufen sich dabei auf bell hooks, jene afroamerikanisch-indigene Autorin, die mit Verve für Feminismus, Kapitalismuskritik, Antirassismus und Insersektionalismus stand: »›Queer‹ not as being about who you’re having sex with (that can be a dimension of it); but ›queer‹ as being about the self that is at odds with everything around it and that has to invent and create and find a place to speak and to thrive and to live.‹«











