Eine Punk-Lady mit gelben Haaren lehnt entspannt zwischen riesigen Mistkübeln. »Das müßige Beisammenstehen sowie das zwecklose Umherwandeln und Verweilen über die Zeit der Beschäftigung ist verboten«, lautete § 9 der Schlachthausordnung aus 1910. Noch ein wundervolles Foto – von einer schwarzen Bar mit Bullaugen und alten, integrierten Eisenteilen: »Die Maschine dampft: Die neue Dreiraum-Bar (2016/2017) ist ein Steampunk-Kunstwerk aus Eisen von Roland Finkenstedt, der auch die Bar im Beisl und die Restaurantbar (große Halle, oben) gebaut hat.«
Die Arena Wien leistete sich zum 50. Geburtstag nach der erfolgreichen Besetzung 1976 etwas Wundervolles: einen Fotobuch-Wälzer, den Autorin Constanze C. Czutta eifrigst recherchiert und euphorisch fabriziert hat. Die allerersten Bars in der Arena bestanden aus »Eisengestängen, in Schutt verankert, ein Holzbrett darauf montiert, der Schutthaufen mit alten Teppichen abgedeckt«. In besetzten Häusern zumeist das Wichtigste und Allererste, das hergeschweißt und eingerichtet wird: die Bar. In Nullkommanichts entsteht die wichtigste Energiestoff-Quelle. Oft noch vor dem Barrikadenbau.

Hardcore-Dreiraum
»Die doppelseitigen Fotos stammen großteils von mir«, erklärt Arena-Tontechniker Zottel und zeigt seine Fotos her. Sein eigenes Lieblingsfoto ist das, auf dem Skater durch einen brennenden Reifen springen. Vor der Open-Air-Bühne, auf der die Hardcore-Band Dregs spielte. Punkie Zottel ist auch in der Ausstellung »Arena Wien – Jedenfalls ist es Liebe!« im Wien Museum in einem Videointerview zu sehen: »Der Dreiraum, der gerade neu erfunden wurde, in dem wohnten vorher obdachlose Punks.« Der Dreiraum gehörte zum Trakt der ehemaligen Sterilisierungsanstalt des Schlachthauses. Anfangs arbeitete Zottel im Dreiraum »mit dem letzten Schrott. Diese Concert-Location war aber Hotspot für Hardcore – ein kleiner Raum, in dem aber die Subkultur passierte«.
1988 wurden in Wien brutalst die Ägidigasse und die Spalowskygasse geräumt und die Besetzer*innen, die zuerst eine Weile im Gefängnis verbringen mussten (Anm.: Frauen aus der Viktorgasse passten währenddessen auf die zahlreichen großen, schwarzen Hunde der Inhaftierten auf), kamen auf der Suche nach Freiräumen in die Arena. »Die Punks räumten auf und um«, meint die flotte Autorin des tollen Arena-Wälzers, Constanze C. Czutta, bei der Pressekonferenz in der Arena. Autowracks wurden entfernt, Proberäume installiert. 1993 waren dann schon sieben Proberäume für dreißig Bands in Betrieb.

Systematische Demontage
»Angesichts der bald anrollenden Caterpillar im Interesse der Profitwirtschaft befinden wir uns zurzeit in dem von der Polizei abgeriegelten Schlachthofgelände, um durch unsere Anwesenheit den Abbruch der Gebäude zu verhindern«, hieß es in einem der ersten Flugblätter 1976. Hunderte von Besetzer*innen mussten der systematischen Demontage des ursprünglichen Auslandsschlachthofes zusehen und wurden durch Verhaftungen und Anzeigen konsequent zermürbt. Über stolze 70.000 m² verfügte die Arena damals. Die erste Verhandlungsbasis 1977 betraf noch immer 45.000 m², während es heute allein 8.000 m² sind – also nur ein Zehntel der ursprünglichen, dorfähnlichen Fläche, in der sehr unterschiedliche Freiraum-Nutzer*innen Platz fanden.
Das geflüchtete Heimkind Gabi wurde die erste Obfrau des Vereins Forum Wien – Arena und erreichte die Zusage der Politik für den großen Umbau der 1990er-Jahre. Mittlerweile werden pro Jahr durchschnittlich 250 Veranstaltungen und 30 Open-Air-Konzerte mit ca.180.000 Besucher*innen durchgeführt. Ungefähr 40 Seiten im dicken Wälzer machen allein die Aufzählungen der Bands aus, die hier über die Jahrzehnte auftraten, von Chuzpe über die Einstürzenden Neubauten bis zu den Dead Kennedys. Eine steile Entwicklung und ein enormes Durchhaltevermögen sehr vieler Menschen zeichnen den 50. Geburtstag der Arena Wien aus. Ein halbes Jahrhundert! skug wünscht weiterhin frohes Schaffen!












