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Alvarius B

»Malarial Dream«

Abduction

Alan Bishop gibt in seiner Verkleidung als Alvarius B gerne das Teufelchen. Freimütig und unerschrocken tut er dann kund, was ihm einfällt, und kommentiert (gerne ungefragt), was ihm darüber hinaus noch aufstößt. Dabei raucht er, immer und überall – am allerliebsten in hartnäckiger Ignoranz gegenüber ggf. bestehenden Verboten. Diese rücksichtslose Geste markiert sozusagen seine grundsätzlich wenig kompromissbereite Persona. Alvarius B schreckt vor nichts zurück und was du davon hältst, das ist ganz alleine deine Sache. Als ich das neue Alvarius-B-Album in Empfang nahm, erwartete ich daher die übliche Mischung sarkastisch-ätzender Balladen, die mal mehr, mal weniger den wunden Punkt treffen. Aber weit gefehlt! Für »Malarial Dream«, aufgenommen mit einer Vielzahl von befreundeten Musiker*innen in Bishops Wahlheimat Kairo, hat es dem zänkischen Alter Ego die Sprache verschlagen. Und ich möchte sagen, die Sendepause tut dem alten Sack gut! Sehr gut sogar! »Malarial Dream« ist ein instrumentales Album, das zum einen sehr an die Ensembles erinnert, in denen Alan Bishop aktiv ist, namentlich Praed Orchestra, Dwarfs of East Agouza und Invisible Hands – daher kommen auf »Malarial Dream« auch eine Reihe nordafrikanischer und orientalischer Einflüsse zum Ausdruck. Zum anderen scheint in der allgemeinen Atmosphäre der Aufnahmen Bishops Liebe zu Ennio Morricone durch. Die überwiegend entspannte, aber stets spannungsreiche und erzählende Musik könnte sich auch als Soundtrack zu einem Spaghetti-Western eignen. Der würde dann klassische Topoi fortführen (z. B. »namenloser Fremder unterwegs in undurchsichtiger Mission und unwirtlicher Umgebung«), aber seine Umsetzung in entsprechend aktualisierten und ggf. auch urbanen Kulissen und Kostümen finden – so wie eben auch die hybride Musik von »Malarial Dream« sich heterogener musikalischer Quellen bedient, in der Summe dann aber eine in sich stimmige, cineastisch anmutende, mild psychedelische Folk-Pop-Variante ergibt. Zeitgenössische Bands wie Altin Gün erregen im musikalischen Mainstream mit einer ähnlichen Mischung Aufmerksamkeit. Wer davon ausgehend nach weiteren, etwas randständigeren Produktionen sucht, kann bei »Malarial Dream« fündig werden.

Home / Rezensionen

Text
Holger Adam

Veröffentlichung
21.04.2026

Schlagwörter

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