Feste feiern wie früher mit Andreas Gabalier © YouTube & PeTee

Weihnachten beim Ochsen

Klar ist, Andreas Gabalier hat nicht mehr alle Tierchen im Stall. Seine jahreszeitinspirierte Kampagne gegen jene Medien, die über sein reaktionäres Gesülze kritisch berichten, ist schlimm genug. Dass er dafür auch noch aufbrausenden Jubel in der Stadthalle erntet, bestätigt schlimme Befürchtungen.

Mr. Backlash hat es wieder getan. Er promotet seine Musik mit Weltanschauung aus der Mottenkiste. Die Jahrensendfeiern kommen ihm da zugute, weil die bekanntlich von »Herzlichkeit, Liebe und Geborgenheit«, anders gesagt »Harmonie« geprägt sein sollen. Darauf fallen leider viele in Austria und anderswo rein und übersehen, dass diese »Harmonie« der neue Totalitarismus ist. Gabalier agiert hier ähnlich wie die österreichische Bundesregierung. Er gebärdet sich als der Botschafter und Garant von Friede, Freude und viel Eierkuchen und will damit zugleich ein Gesellschaftsbild als natürlich, gottgegeben und unhinterfragbar präsentieren. Der »Heilige Andreas« hat aber zugleich ein Glaskinn und schätzt es nicht, wenn Musikjournalist*innen es wagen, anzumerken, was für ein Gebräu er da eigentlich serviert. Gabalier steht leidenschaftlich dafür ein, dass Frauen hinterm Herd verschwinden, dass nur die Buam mit den Madeln (knick knack) und dass man sich auf die eigene Kultur hinterm Tannenbaum leicht eins reiben darf. Kurzum: Weihnachten wie früher, bloß ohne Frontpostkarten.

Diese Weihnachtsbotschaft ist leider gerade groß in Mode und wird von der Trump-Administration bis zur deutschen AfD kräftig betrieben. Dass diejenigen, die hier groß eins feiern wollen, die eigentlichen Bösewichte sind, die einer Dickens-Geschichte entsprungen sein könnten, soll natürlich ausgeblendet werden. Dabei sind die Widersprüche offenbar. Wer eigentlich Harmonie will, der müsste ja den Widerspruch der Journalist*innen liebend umfangen und sagen: »Jo schaut’s, so seid’s halt. Dem Jesuskind sama olle recht. Hier habt’s an Spinner und I hab an …« Irgend so eine leicht verblödete Versöhnlichkeit. Aber weit gefehlt. Auf Kritiker*innen geht Gabalier aber trotz Friedensbotschaft mit holprig-aggressiver Häme los. Wenig weihnachtlich. Die Kolleg*innen wird es freuen. Von ihm beschimpft zu werden ist natürlich ein Geschenk.

Leider steckt viel Übles in dem Gabalier-Packerl. Schaut man sich seine Argumentation genau an, dann ist sie ein tückisches Gemisch aus faschistoiden und neoliberalen Impulsen. Denn, was er den »Ochsen und Eseln« des Musikjournalismus vorwirft, ist letztlich »Neid«. Okay, kapiere. Er hält es nicht aus, dass ihn nicht absolut alle für seinen »Erfolg« feiern, der ihm monetär ohnehin schon die Weihnachtsgans vergoldet hat. Das ist eben ein totalitärer Impuls. Dass er damit die gut gefüllte Wiener Stadthalle zum Kochen bringt, ist bestürzend. Die Leute geraten in rasenden Jubel, wenn ihnen jemand vorbetet: »Schaut’s, I hab’s g’schafft und die anderen sind nur neidig.» Außerdem würden seine Kritiker*innen (er meint wohl durch die Medienförderung) von »uns allen bezahlt werden« für den Unsinn (Kritik am geweihtragenden Meister), den keiner lesen will. Ein bizarrer Vorwurf, müsste sein Publikum doch nur einmal in die eigene Tasche greifen und den Preis auf dem Eintrittskarterl durchlesen. Tja, für’s Mütchenkühlen des Volks-Rock’n’Roll-Millionärs habt ihr alle ganz sicher bezahlt. Kein Grund zu jubeln. Frohe Festtage!

Wer da nicht mitmachen will, macht hier mit: https://skug.at/signalgeberinnen/

Hier noch einmal Walter Pontis’ Sicht der Dinge: https://skug.at/bambi-rockt/