Andreas Gabalier geht beim Singen aus sich heraus und trägt immer eine Lederhose, seit ihm das Spatzi einmal im Reißverschluss … Autsch. © YouTube

Bambi rockt!

Der »Volks-RockʼnʼRoller« Andreas Gabalier präsentiert mit »Vergiss mein nicht« sein neues Machwerk und wir würden es gerne gleich vergessen, wenn da nicht dieses miese Zeug mit drin wäre, das besser nicht vergessen werden sollte.

Wird der für die bis dato vielleicht erbärmlichste Austropopkotze EVER verantwortliche Andreas Gabalier seine Zukünftige auch einmal Scheitelknien lassen? Oder wendet er ähnliche menschenverachtende Züchtigungsmethoden der rechtsradikalen Kriegsloser(ur)opas bei seinen Kindern womöglich bereits an? Vermaledeit soll jeder sein, der meint, ein Kreuz in der Wohnung berechtige ihn dazu. Pfui Gack!

Rockt dieser Rocker richtig?
Jedes Land ist für seine Popmusik selbst verantwortlich. »Das rockt!«, schallt es seit geraumer Zeit bei jeder auch noch so unpassenden Gelegenheit im Blätterwald – egal ob Schlager oder Volksmusik, alles und jede/r »rockt«. Dem war nicht immer so: In den Fünfziger-Jahren wurde RockʼnʼRoll hierorts vornehmlich als »Negermusik« diffamiert (davor fand der Begriff, ein Slang-Ausdruck fürs »Schnackseln«, bereits in schwarzen Rhythm-and-Blues-Titeln Verwendung). In der Folge drohte man in den Sechzigern langhaarigen Hippies und Rockfans häufig noch mit »Unterm Hitler hätt’s das nicht gegeben!«

Folglich sollte die Rockgeneration der Sixties, die mit »Rock« (siehe z. B. »The Sixties: Freedom, Change and Revolution«, Firefly Books, 2018) gegen autoritäre Strukturen und Rechtsextremismus antrat, in der Heimat leider noch nicht so recht Thema sein. Musikalisch verschanzte man sich lieber hinter deutschem Schlager, Folk Music und Wienerlied. Angereichert um mitunter erfrischend-beißenden Protest und Musikkabarett passte da der Austropop, der, in österreichischem Dialekt gehalten, jahrzehntelang mit der Ästhetik der Schlagermusik nicht brechen wollte/durfte und herzlich wenig mit der des Rock gemein hatte, ganz gut ins Bild. Ihr Geschäft machten hiesige Dependancen internationaler Majorlabel-Konzerne – schon aus rechtlichen Gründen – mit heimischen MusikerInnen nahezu ausnahmslos ohnehin nur innerösterreichisch.

Nun wächst dem Bambi unter den Rockern also ein Geweih. Der sogenannte Volks-RockʼnʼRoller vereint im aktuellen Album »Vergiss mein nicht« (Stall-Records/Electrola/Universal) ganz schrankenlos »Das Lummerlandlied« (»Eine Insel mit zwei Bergen und im tiefen, weiten Meer …«), seinen despektierlichen »Kaiserjodler« (»Franzl, Franzl sing für mich ein Gstanzl, heut beim 5-Uhr-Tee …«) und seine klaftertiefe »Kleine steile heile Welt«, in der ein brauseköpfiger Gabalier »das Scheitelknien« als gottgegeben verharmlost (schwarze Pädagogik hatte dieses Land leider zuhauf) und jedem ordentlichen Österreicher, wohl auch jeder ordentlichen Österreicherin, ein Kreuz ins Wohnzimmer hängen will. Doch da kontern die deklamatorischen ÖsterreicherInnen von KlitClique nun recht famos … siehe unten. »Hallihallo«, wo lebt Anders Gabalier denn? »A Life in the Woods«, a Schweinshaxn und a gʼhöriger Schuhplattler rocken seinen Mississippi. Doch die Flusspferde machen sich schon bereit.

skug-Leser*innen-Service: Der aktuelle Steckbrief von Andreas Gabalier
Wer Gabalier ist, lernt man am schnellsten bei Automobilsportveranstaltungen. Am 12. August fand an irgendeinem dieser »Ringe« ein Motorradrennen statt und eine jener kleingeistigen Zeitungen fragte neckisch und tendenziös: »Darf Motorsport sexy sein?« Gemeint war die Frage, ob es denn okay sei, ehrgeizige, junge Frauen wie Frischfleisch neben die Rennfahrzeuge zu stellen. Nun, selbst die Schisportler kamen ins Grübeln: Sie hätten zwar gerne was fürs Auge und würden Motorräder und entblößte junge Frauen gerne ansehen, verstünden aber auch »die andere Seite«. Da röhrte es unter dem Gabalier-Geweih hervor: »Die Dirndln g’hörn da her! Da gibt’s gar keine Diskussion.« Entblättert nebens Auto gehören sie, aber nicht in die Bundeshymne, die sang der Gabelstapler nämlich bei einem anderen Autorennen voller Inbrunst ohne Erwähnung der Töchter und erzeugte damit einen jener entbehrlichen »Skandale«, die nur ihm allein nützen.

Er sei halt traditionell oder wie man diesen protofaschistischen Mist gerade zu labeln versucht. Der Mann reitet damit leider auf einer fürchterlichen Welle, deren Erfolg nicht zu leugnen ist. Einen Hehl hat er ja nie daraus gemacht und es muss ihm eine gewisse Anstrengung attestiert werden, indem er es geschafft hat, sich auf einem Plattencover so zu verbiegen, dass seine Silhouette einem Hakenkreuz ähnelt. Den »Bergkameraden aus Italien, Deutschland und Japan« einen Gruß zu entrichten, geht auch schon nicht mehr als subtile Andeutung der alten »Achse der Willigen« durch, sondern ist ziemlich »on the nose«.

Kurz nach dem entsetzlichen Terroranschlag 2016 gab Gabalier im Münchner Olympiastadion ein Konzert. Bei dem Anschlag im Olympiazentrum Mosach tötet ein rechtsradikaler junger Mann neun Menschen. Der Täter war iranischer Herkunft und ist somit einer der wenigen Neonazis, der sich ethnologisch zu Recht Arier nennen darf. Ein Umfeld aus Hass und Dummheit ließ ihn zum völkischen Fanatiker werden. Zu dem Zeitpunkt als Gabalier das Konzert gab, gingen aber alle noch – in Erinnerung an die Pariser Anschläge – von einem islamistischen Anschlag aus. Andreas Gabalier stellte sich vor sein Publikum und sagte, er wüsste was jetzt zu tun sei, aber er behalte es lieber für sich. Das Stadion brach in Sportpalastredenjubel aus. Also, nein, Gabalier kann man nicht einfach hören, weil einem die Musik gefällt, die ist wirklich braun bis ins Kreuz.

Gabalier verkleidet sein Gesicht als George Orwells Big Brother, die Gitarre hält er, als wolle er gleich damit zuschlagen. © Universal

Besser nicht erwerben: Andreas Gabalier – »Vergiss mein nicht« (Stall-Records/Electrola/Universal).