© Gue Schmidt

Niedersperrung – Ein Dramolett

»… sogar mein eigenes Taufkind hat mir geschrieben, dass es wieder in den Kindergarten gehen will.« In unserer nicht enden wollenden Serie The New Normal diesmal ein Hörspiel des Autors Werner Lang über die Sprache der Öffentlichkeit und die öffentliche Sprache in Zeiten der Pandemie.

Werner Lang schreibt aus eigener Anschauung über die Arbeitswelt. Er hat viele Jahre als Betriebsschlosser, Schweißer, Monteur, Verschieber, Lokführer und Kranführer gearbeitet. Heute verfasst er Theaterstücke und theoretische sowie sozialpolitische Artikel für die Kulturzeitschrift »Tarantel« oder das Magazin des Gewerkschaftlichen Linksblocks »Die Arbeit«.

Dass die Folgen von Massentierhaltung und überhaupt die industrialisierte Vernutzung von Mensch und Tier in den winzigen Viren, sei es H5N1 oder aktuell SARS-CoV-2, als Geißel auf die Menschheit zurückkehren, ist eine Pointe, die Werner Lang nicht entgangen ist. Das Leben, das zum reinen Verbrauch weggesperrt werden sollte, rächt sich nun und raubt der Industriegesellschaft ihre partikulare Freiheit. Jetzt sperren die Viren uns ein. Lang ist ein genauer Kenner der Enge und weiß, wie viel diese mit kapitalistischer Ungerechtigkeit zu tun hat. Wer im kleinen Zimmer eingesperrt ist und immer nur die gleichen Handgriffe tut, von dem*der lässt sich ähnlich wie von Schrödingers Katze kaum mehr sagen, ob »lebendig« oder »tot«. Die Sprache, die solche Unterschiede noch vermitteln könnte, müsste eine sein, die weder die »öffentliche Sprache« der offiziellen, manipulierenden Verlautbarung ist, noch die nochmals verballhornte »Sprache der Öffentlichkeit«, der es im Hausgebrauch auch nicht gelingt, sich einen Reim auf die Ereignisse zu machen.

Werner Langs Stück »Niedersperrung« sucht einen Weg zwischen Skylla »öffentliche Sprache« und Charybdis »Sprache der Öffentlichkeit« und liefert damit die literarische Farce zu aktuellen Lagen in mehrfacher Beziehung. »Niedersperrung« hätte Ende März 2021 in der Wiener Galerie MAG³ aufgeführt werden sollen. Diese Aufführung fiel allerdings dem erneuten »harten Lockdown« zum Opfer. Die »Niedersperrung« wurde somit niedergesperrt. skug präsentiert nun zumindest das Hörspiel/Video zur nie stattgefundenen Aufführung, ob es zu einer erneuten Aufführung oder einem Covid-sicheren Filmscreening kommen wird, ist derweil noch ungewiss. Zumindest die auf ihrem ewig gleichmäßig schaukelnden Schaukelstuhl sitzende »Oma« gibt repetitiv ihre prophetische Weisheit zum Besten: »Man weiß ja nicht was kommt« und »Es hört ja keiner mehr auf einen.« Der österreichischen Bundesregierung fällt im Frühjahr 2021 auch nicht mehr mehr ein.

Werner Lang: »Niedersperrung«, Produktion: Teatro Caprile/Gue Schmidt, Wien, 2021