le_mol

»Heads Heads Heads«

Panta R&E

Breitenwirksamer oder sperriger? Geht es um »Heads Heads Heads«, das neue, dritte Album von le_mol, scheiden sich die Geister. Gefesselt von der neuen Musik der Post-Rock-Band schienen bei der Albumpräsentation am 8. März im Wiener B72 aber alle zu sein. Eine Spur weniger verkopft und elektronisch, dafür aber deutlich rockiger und düsterer sind die neuen Tracks – das oberösterreichische Duo hat sich hörbar weiterentwickelt. Ihre vielen Feinheiten entfalten die zehn Instrumentalsongs aber erst bei mehrmaligem Hören, am besten über Kopfhörer: Dann entdeckt man die vielen Soundschichten, Zwischentöne und Verästelungen, die charakteristisch für den instrumentalen Post-Rock von le_mol sind. Was sie von anderen artverwandten Bands unterscheidet, ist die Loopstation, mit der Raimund »Mundl« Schlager (Gitarre, Klavier/Keyboard, Synths) und Sebastian Götzendorfer (Schlagzeug) in jedem Song mehrere Soundschichten übereinanderlegen: Neben der meist dominanten Gitarre, die schon auch mal mit dem Geigenbogen gespielt wird, sorgen etwa Voicesamples, Saxofon, Glockenspiel und elektronische Sounds für komplexe Soundstrukturen. So entsteht die große musikalische Vielfalt, die nach dem sehr verspielten »Kara Oh Kee« (2015) auch das neue Album auszeichnet.

Erinnert die erste Nummer »Inside Your« noch sehr an Nine Inch Nails und steigert sich von einer reduzierten Klaviermelodie hin zu einem kathartischen Höhepunkt, spielt »The Waltz King« mit einem Wechsel von Laut und Leise bis zum Schluss. Einzig das Klavier bleibt als Konstante und zieht sich konsequent durch das ganze Album – genauso wie der düstere Sound, den le_mol auch als Referenz auf die politisch und gesellschaftlich unsicheren Zeiten verstehen. Mit dem Songtitel »le_mol Fear Mogwai« beweist die Band aber auch ihren Humor und liefert eine Hommage an die Postrock-Giganten aus Glasgow. Anfangs stark von Mogwais »Rano Pano« inspiriert, geht der Song bald seine eigenen Wege und steigert sich unheilschwanger dröhnend zu einem langsamen Höhepunkt. Das ruhigere »Temperatures Will Drop: Pekoppa« wiederum spielt mit seinem Titel auf Pekoppa an, eine aus Japan kommende Spielzeugpflanze aus Plastik, die einen vor Einsamkeit bewahren soll, indem sie einem zunickt, wenn man zu ihr spricht (Fun-Fact). Einsam wird es bei le_mol eher nicht, denn dank vielen, von Freunden eingespielten Instrumenten klingt das Album sehr vielfältig, wenn auch nicht mehr so verspielt und experimentierfreudig wie frühere. Vielleicht der beste Titel ist die Schlussnummer »The Sun Like a Sneaky Keyhole View of Hell«, die dank Stimmsamples, Saxofon und breiten Gitarrenwänden typisch für den ureigenen le_mol Sound steht – nach vielen dunklen Nummern ein zehnminütiger, harmonischer Abschluss, der mittels markanter Klaviermelodie wieder den Bogen zum Beginn von »Heads Heads Heads« spannt. Weil le_mol das Album in den Londoner Abbey Road Studios vom verdienstvollen Sound-Engineer Frank Arkwright (Mogwai, Sunn O))), Joy Division, Blur etc.) gemastert wurde, klingt die Mensch-Maschine übrigens nun auch technisch besser denn je.

Live erleben kann man le_mol übrigens noch zu Ostern im Sub Graz (30. 3.) und in der Linzer Kapu (31. 3.) – große Empfehlung!

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