La teta asustada (The Milk of Sorrow)

Die peruanische Regisseurin Claudia Llosa setzt sich in ihrem zweiten Spielfilm mit den traumatischen Folgen der gewalttätigen Vergangenheit ihres Landes auseinander.

Fausta pflegt ihre bettlegrige Mutter. Dabei sind die beiden in einem Dialog. Die alte Frau erzählt von ihrem Leid, ihrer Vergewaltigung, der Ermordung ihres Mannes, der Schändung seines Leichnams. Doch nicht in einfacher Rede: Sie singt die unsagbaren Gewalttaten, die sie erfuhr. Fausta antwortet, tröstet, ebenfalls singend. Das ist keine musicalartige Auflockerung, es ist eine Form der Kommunikation wie sie von diesen Frauen gelebt wird. Nach dem Tod der Mutter wird Fausta von Ohnmachtsanfällen heimgesucht. Im Krankenhaus versucht Faustas Onkel dem Arzt die Ursachen dafür zu erklären, es sei die »Milch des Leids«, die sie über die Muttermilch aufgenommen habe. Diese Krankheit gebe es nicht, reagiert der Schulmediziner unwirsch, für ihn ist das nur Aberglaube.

Film als Reise

In Llosas Film kommen Gegensätze stark zum Tragen; Etwa die von Stadt/Land oder die von Werktätigen/Oberschicht. Fausta und ihre Mutter kommen vom Land, wo ihr Dorf von den Rebellen des »Sendero Luminoso« (Guerillabewegung) terrorisiert wurde. Obwohl Fausta in der Stadt lebt, hält sie an Denkweisen, Bräuchen ihrer dörflichen Herkunft fest. »La teta asustada« erzählt, wie die junge Frau lernt, sich souverän zu bewegen. Am Ende wird sie ihr belastendes Erbe abladen können. Llosa inszeniert ohne Pathos, sie zeigt aktuelle Lebenswelten im heutigen Peru – keinen folkloristischen Bilderbogen, und sie erklärt nicht. Das verstört zunächst, macht aber aufmerksamer und offener in der Rezeption und lässt Raum zum Denken, für neue Verbindungen und Erkenntnisse. Das ist auch so intendiert. Claudia Llosa: »Ich finde, ein Film ist wie eine Reise, von der Leinwand zum Zuschauer. Der deutet das Gesehene auf seine Weise.«

»La teta asustada« Peru/Spanien 2009. Regie: Claudia Llosa
Derzeit im Stadtkino Wien