Flüchtlingsball Saalfoto © Michael Morawec

Kampf gegen Spaltung und Verzagen

Der 26. Flüchtlingsball findet am 22. Februar 2020 im Wiener Rathaus statt. Gute Musik und guten Zweck zu verbinden, behaupten viele, beim Ball des Integrationshauses stimmt es sogar.

Österreich »erfreut« sich einer neuen Bundesregierung, deren eine Hälfte fleißig an der Demontage von Sozial- und Rechtsstaat arbeitet und deren kleinerer Teil sich wohl täglich die Augen reibt, wegen der erbarmungslose Machtpolitik des großen Koalitionspartners. Hier ist die Zivilgesellschaft gefordert. Wandel kommt aus der Mitte der Gesellschaft und kann dann gelingen, wenn es zumindest gewisse Sympathien dafür in der Regierung gibt. Leider kann eine Regierung auch jedes Pflänzchen des Aufbruchs abtöten. Die Aufgabenverteilung in der Koalition Türkis-Grün ist in dieser Frage eindeutig verteilt. Die ÖVP bedient sich demagogischer Rhetorik und versucht weiterhin, erfolgreich zu sein durch gesellschaftliche Spaltung. Diffamierung von allem, was fremd und angeblich gefährlich ist. In ihrer Orwell’schen Sprechverdrehung nennen sie es Maßnahmen zur »Integration«. Das Integrationshaus wollte sich bekanntlich bei seiner Gründung »Flüchtlingshaus« nennen, weil die klugen Macher*innen nichts von vernebelnden Verdrehungen halten, das war den damaligen politischen Entscheider*innen aber zu heikel. Wenigsten der Flüchtlingsball darf aber noch heißen, wie das, was er ist: ein Ball für geflüchtete Menschen.

Integrier’ dich doch selbst
Es geht auch nicht darum, Menschen in etwas zu integrieren, das sie selbst vielleicht für falsch halten. Es geht darum, eine bunte, vielgestaltige, diverse Gesellschaft zu errichten, die möglichst vielen Menschen ein Leben nach eigenen Vorstellungen erlaubt. Das ist knifflig, aber auch äußerst lohnend, denn der triste Angst- und Einschüchterungskurs der türkis angelaufenen Schwarzen verdirbt die Laune. Wenn beispielsweise Kanzler Kurz (Ex-Integrations-Staatssekretär) von Integrieren spricht, dann betreibt er gezielt Spaltung, weil er implizit suggeriert, dass das minderwertige Fremde sich in »unserer Heimat und deren Kultur« ein- und unterordnen soll. Dabei ist jede Kultur ein Mix, die, wenn sie lebendig bleiben will, Neues aufnehmen muss. Das grüne Pflänzchen an der neugewonnenen Bundesmacht darf nun am 22. Februar lautstark an seine früheren Äußerungen zu dieser Frage erinnert werden und sich bestärkt darin fühlen, dass Österreich kein reiner »Kronen Zeitung«-Muff ist. In Vienna scheißen sich nicht alle an bis ins Kreuz, wenn jemand Kopftuch trägt oder Allah gut findet, sondern freuen sich über buntes Durcheinander. Der rechte und rechtsautoritäre Schmäh, dauernd mit der äußeren Gefahr ideologischer Verfestigung zu drohen und dabei die eigene ideologische Zuspitzung zu betreiben, zieht in Wien nicht und die Grünen haben sich das hoffentlich – bei allem koalitionären Leisetreten – hinter die gewaschenen Ohren geschrieben.

Weil Reden irgendwann nichts mehr nützt, muss musiziert werden und das wird am Flüchtlingsball gewohnt hochkarätig. Die nigerianische Soul-HipHop-Queen Nneka schaut vorbei und gießt Afro-Beat mit Dub zusammen. Die Ausrufung der Republik »Tschusistan« kommt von EsRap. Die Weltrettung übernimmt Luca Bassanese mit viel Tanzanreiz und Mitgrölpotenzial. Birgit Denk, Madame Baheux und viele mehr wissen ganz genau, wie man eine gute Party schmeißt, und lassen sich dabei sicher nicht spalten. Um der häufig gestellten Frage vorzuschützen: Auf diesem Ball zieht man an, was einem passt, kein Dresscode!

26. Flüchtlingsball
Samstag, 22. Februar 2020
Einlass ab 20:00 Uhr
Wiener Rathaus
Karten: Vorverkauf € 45,–, Abendkassa € 48,–
Nähere Informationen: www.fluechtlingsball.at