Guts

»Philantropiques«

Heavenly Sweetness/Broken Silence

Guts, französischer HipHop-Produzent, DJ und Herausgeber von (bis jetzt fünf) CD-Compilations »Beach Diggin’«, die auf wenig bekannte Latin-, Karibik-, Soul- und Funk-Acts spezialisiert sind, nennt sein sechstes Album »Philantropiques«; es ist, wie der Name besagt, dem Sound der Tropen freundlich verbunden. Guts hat dieses Mal eine große Band beschäftigt, um die ganze Soundpalette, die ihm vorschwebte, umsetzen zu können. Neben Bass, Schlagzeug, Percussion und Keyboards gibt es auch jede Menge Blasinstrumente von Flöte über Saxofon bis Posaune sowie Vibrafon und Balafon. Und natürlich Vokalisten. Das garantiert, dass die weite Reise von Westafrika nach Brasilien und via Island-Hopping durch die Karibik in die USA – auch wenn Guts gerne rhythmus- und stilübergreifend komponiert und arrangiert – möglichst authentisch rüberkommt. Dass die Sache bei solcher Stilvielfalt nicht aus dem Ruder läuft, dafür sorgt der relaxte Zugang von Guts, der die diversen Rhythmen, Tempi und Stimmungen immer mit einer tropischen Leichtigkeit und Gelassenheit präsentiert und sie mit der Fingerfertigkeit des Produzenten und Beat-Bastlers durchaus »left field« interpretiert, das heißt mit einem Touch Disco, House, Tropical Funk, Afro Beats oder Jazz, oft alles in einem Song nebeneinander platziert wie auf »Shake It and Rise Up«. Aber schon der nächste Song versetzt uns nach Angola: »Nosso Carimbó É Do Mundo« könnte durchaus als Tanzhit für den Karneval in Luanda komponiert sein – oder doch für jenen von Salvador de Bahia, Brasilien? Guts’ musikalische Reise führt uns jedoch nicht nur durch aller Herren Länder, sie transferiert uns gelegentlich auch in andere Epochen. »Li Dous Konsa« ist ein funkiger Jazz-Groove wie aus den Siebzigern und hält einem Verweis auf Monumente des populären Jazzfunk wie Weather Report durchaus stand. Glückliche Tropen!