Grauschleier am hohlen NDW-Himmel

Hollow Skai: »Alles nur geträumt. Fluch und Segen der Neuen Deutschen Welle«

Hollow Skai verhandelt in »Alles nur geträumt« Fluch und Segen der »Neuen Deutschen Welle« auf eine Art, die zugleich Fluch und Segen der NDW-Literatur offenbart. Als »Zeitzeuge«, Labelgründer und Musikjournalist rekapituliert er die Geschichte eines der bedeutendsten Pop-Phänomene im deutschsprachigen Raum anhand von persönlichen Erinnerungen, selbst geführten Interviews und zusammengetragenem Pressematerial. Gro&szliges Augenmerk legt er dabei auf die ökonomische Bedeutung der »Neuen Deutschen Musik« und ihren Ausverkauf durch die »Interventionen« der Plattenindustrie.

In salopp gehaltener Journalistensprache, die nicht selten von stilistisch banalisierenden Invokationen befeuert wird (»Und was hatten wir nicht alles getan!«) und sich mit Sätzen wie »Die Plattenindustrie hatte es mal wieder verkackt, und alles wurde wieder ödes Business« (S.123) wohl als juvenil und punk-konform zu präsentieren anschickt, betreibt Hollow Skai vor allem Geschichtsschreibung. Damit folgt er konsequent jenem Pfad, der auch schon von Teipel in »Verschwende deine Jugend« eingeschlagen wurde: Abgesehen von wortarmen Anekdoten werden auch in »Alles nur geträumt« wieder all jene gro&szligen und abgegrasten Namen des Genres herbeigerufen, die man heute auf jedem lausigen NDW-Hitsampler mit Schaudern wiederfindet. Auch, wenn er auf jene durchaus kritisch reflektiert, zementiert Skai hier einmal mehr einen schon längst ausformulierten und überfälligen Kanon – und verpasst so die Chance, mit »Alles nur geträumt« einen wirklich erfrischenden und neuen Zugang zum Thema anzubieten, wie es beispielsweise Frank Apunkt Schneider mit seinem »Als die Welt noch unterging« präsentiert hat.

Kurze Exkurse wie etwa »Das gro&szlige Gebrabbel«, die sich mit der avantgardistischen Lyrik der NDW befassen, oder auch der etwas willkürlich anmutende Versuch, aktuelle Musikentwicklungen als Erbschaft der Do-It-Yourself-Ära zu verhandeln (mit Akteuren wie Juli und Silbermond?), sind genau jene Ansätze, denen der Autor grö&szligeren Platz hätte einräumen können, um seinen Beitrag zur NDW-Literatur als unumgänglich hervorzuheben. So allerdings ist »Alles nur geträumt« gerade mal ein faktenbetontes Einstiegsbuch und eine sinnvolle Ergänzung zum substanzlosen »Standardwerk« von Teipel.

Hollow Skai: »Alles nur geträumt. Fluch und Segen der Neuen Deutschen Welle«
Innsbruck: Hannibal 2009, 256 Seiten, EUR 14,90