The Czars

»Goodbye«

Bella Union

Es ist der Bariton, dieser beschwörende Bariton von John Grant, der auch über die etwas schwächeren Songs des fünften Albums der Czars hinwegträgt. Die vom NME und anderen Teenagerpostillen hochgejubelten Bands wie Travis, Starsailor oder Coldplay, die ihre verlogene Version des Weltschmerzes an ein zunehmend infantileres Publikum verhökern, sollten sich angesichts der Czars ordentlich was schämen! Denn deren monochromatischer Widescreen-Pop macht vor, wie man empfindsame und verletzliche Musik macht, ohne hohl zu klingen. Schon das launige Pianoinstrumental, mit dem »Goodbye« anfängt, streut leichtfüßig ein wenig weltverdrossene Traurigkeit aus, um dann übergangslos in den Titelsong umzuschlagen, der mit etwas mehr instrumentellem Nachdruck die subtilen Freuden der Depression beschwört. Es sind die kleinen aber feinen Ideen, mit denen die vier Edelmelancholiker aus Denver ihren chartverwöhnten Kollegen zeigen, wie es geht: Etwa in der Mitte der sanft dahinströmenden Multitrack-Ballade »My Love« hört man überraschend aus einer rauschenden Tiefe kommende japanische Sprachfetzen. Auf dem erst mehr nach gregorianischem Gesang denn Popsong klingendem »The Hymn« knispert und zirpelt es, Glockenspiel und Laptop erinnern an die Narco-Kirchenmusik von Spiritualized. All das und noch viel mehr gibt »Goodbye« eine Textur, Tiefe und Treffsicherheit, die die Czars auf einen Rang stellt mit Mercury Rev, Flaming Lips und Konsorten.