M185

»Everything Is Up«

Siluh Records

Die Aufmerksamkeit, die M185 mit ihrem letzten Album »Let The Light In« vor drei Jahren entgegenschlug (sie wurden unter anderem mit dem FM4-Amadeus-Award ausgezeichnet), lag zu einem großen Teil daran, dass das Wiener Quintett für die Rückführung der rockmusikalischen Formensprache auf ihre wesentlichen Satzteile stand. Entschlackter und repetitiver Indie, der ohne unnötigen Zierrat auskam, das war hierzulande in dieser Form lange nicht zu hören. Dass der Band die wirklich guten Songs fehlten, wurde wohlwollend übersehen. Nun könnte man meinen, dass nach dem Abflauen des Mini-Hypes und mit der Veröffentlichung des neuen Albums »Everything Is Up« M185 kritischer auf ihre Halbwertszeit abgeklopft würden, doch wieder spielt FM4 brav die Singles »Soon« und das schon im vergangenen Sommer erschienene »ShShSh«, ungeachtet der Tatsache, dass besonders Letzteres mit seinem Prolo-Riff einfach wirklich schlecht war. Gottseidank kann das Album mehr, als »ShShSh« befürchten ließ. »Russell« rockt gleich zu Beginn ganz amtlich los, wenngleich der Harmoniegesang hier unfreiwillig an »Who Are You«, dieses eine Lied von dieser einen Band von CSI, erinnert. Die wilden Bläser wären bei denen allerdings wohl nur Keith Moon in den Sinn gekommen. Ein ebenfalls recht aparter Song ist »Shuffled«, das die ruhigen Colour Haze mit »Dear Prudence« der Beatles verheiratet. Positiv hervorzuheben sind außerdem das vibrierende und durch Keyboards verfeinerte Groove-Wunderding »Two-Tone Song (Out Of Here)« und der krautige Monolith »L.O.V.E.«. In einzelnen Momenten ist das wirklich schön anzuhören, doch auf die Dauer von fast 44 Minuten offenbart »Everything Is Up« auch einige Schwächen, die vor allem im strengen Code an Darstellungsformen des Quintetts begründet liegen. Mit den wenig abwechslungsreichen Psychedelic-Riffs, den immer gleichen Kadenzen und dem an Black Rebel Motorcycle Club erinnernden Sleaze-Gesang von Wolfram Leitner gleiten M185 manches Mal ins Formelhafte ab. Dann wird ihnen die oben erwähnte Reduktion auf das Notwendigste zum Verhängnis. Denn freilich sind sie nicht die einzige österreichische Band, die erfolgreich mit nur drei Tricks arbeitet, doch wer wie M185 bewusst nur wenig poptheoretische oder diskursmotivische Projektionsfläche bietet – wer also allein durch die Kraft der Musik überzeugen will – der muss halt ein bisschen mehr können als die Anderen.