Die Musik von LAUS

Dunkle, verspielte Klangwolken und Stimmungen

Das Debüt-Album von LAUS hei&szligt »Einsunk« und scheint wie eine Quersumme von zwei scheinbar entgegen gesetzten Stilrichtungen zu sein: Intensive Auseinandersetzung im Bereich der zeitgenössisch komponierten Musik trifft auf mehrjährige Rockband-Erfahrung, was nun aber gar nicht in ein dumpfes Crossover mündet. Die beiden Musiker Lorenz Haas (Perkussion, Vibraphon, Table-Guitar, Piano) und Nicola Romanò (Violoncello) sind unter anderem Mitglieder des renommierten ensemble für neue musik zürich. Jener Hintergrund ist den elf Kompositionen verständlicherweise anzuhören, die komplexen, rhythmischen Schichtungen etwa oder die ungewohnten, melodischen Linien und Harmonien. Haas und Romanò spielten in den 1990er-Jahren in der gemeinsamen Band Groope. Nach deren Auflösung im 1998 machten sie zu zweit weiter und seither erproben sie eigene Songstrukturen und feilen an ihren eigenständigen Sound-Vorstellungen. Auf dem also längst fälligen Erstlingswerk wird das Duo Haas/Romanò um vier weitere, kongeniale Musiker ergänzt: Hartmut Nahor Bardig (Vocals), Wolfgang Zwiauer (Bass), Gianluca Romanò (Piano) und Crispin Perez (Drums). Abgemischt hat das Album der innovative Tontechniker S. Husky Höskulds, bekannt vor allem durch seine Zusammenarbeit mit dem US-amerikanischen Musiker, Stimmkünstler und Multiinstrumentalisten Mike Patton. Anders allerdings als beispielsweise Pattons rasant wechselnde Stil-Zappereien (vgl. Fantômas oder Mr. Bungle) sind die Kompositionen von LAUS sehr verdichtet und verwoben, sie tragen geradezu atmosphärische Züge, wie man dies inzwischen von gegenwärtigen Stiltendenzen her kennt, lang gezogene und tempogedrosselte Drones à la Doom-Metal beispielsweise. ?ber den Instrumentalteilen schwebt ein losgelöster, irrlichternder Gesang und beschreibt albtraumartige Zustände (Lyrics: Gereon Gliaug Sprick). In der Kurzgeschichte »Die Musik von Erich Zann« schreibt H.P. Lovecraft, Schriftsteller und Meister des Obskuren: »… und obgleich ich deshalb oft keinen Schlaf finden konnte, war ich von der Unheimlichkeit seiner Melodien begeistert«. »Einsunk» nimmt vielleicht etwas von der beklemmenden Stimmung in »Erich Zanns Musik« auf. Im besten Sinne irritieren diese richtungslosen Klangströme und lassen den Hörer streckenweise alleine auf sich gestellt. Das Angeln nach musikalischen Vergleichen bleibt unzureichend. Nochmals der Ich-Erzähler in »Erich Zann«: »Er spielte ohne Noten (…), sondern improvisierte frei drauflos und unterhielt mich über eine Stunde lang mit der wunderseltsamsten Musik«. Was im ersten Moment nach sound-tüfteliger Studio-Solitüde vermuten lässt, trägt die Handschrift von Lorenz Haas, der diese dunklen, wenn auch verspielten Klangwolken und Stimmungen auf Notenpapier brachte. Man darf gespannt sein, wie sich eine möglich geplante Live-Version anhören könnte.
LAUS: »Einsunk« (LC 20625, Irascible)
www.laus.ch