Daniel Bachman

»Daniel Bachman«

Three Lobed

Mit dieser selbstbetitelten Platte veröffentlicht der 27-jährige Daniel Bachman bereits sein achtes Album (zählt man Kassetten-Veröffentlichungen mit, so sind es noch zwei, drei mehr). Seit seiner ersten Veröffentlichung hat sich der Gitarrist aus Fredericksburg/Virginia dem Erbe von John Fahey und – stärker noch – Jack Rose verschrieben: einer kontinuierlichen Aktualisierung dessen, was Fahey »American Primitive« taufte. Autodidaktisch angeeignete Folk Music, die mit einem Fuß im Mississippi-Delta steht und mit dem anderen in den Wäldern der Appalachen. Nicht nur genauso wichtig, sondern entscheidender ist jedoch, wo der Kopf hingesteckt wird: Nicht in den Sand oder die Heimaterde, sondern in die frische Brise und die weht von Osten her! Ich will damit sagen, dass, trotz aller Verwurzelung in bestimmten Regionen des eher nicht urbanen, unheimlichen Amerikas, die Musik von Bachman alles andere als hinterwäldlerisch gestimmt ist. Das liegt am Wind – der ja bekanntlich auf vieles eine Antwort hat und hier die fernöstlich anmutende Kunst der Versenkung mitbringt, um den instrumentalen Folk-Blues Bachmans aufzufrischen. Mit viel Geduld und ausreichend Zeit entfalten sich die Gitarrenfiguren (hier und da ergänzt um Instrumente wie Shruti-Box und Octotone). Langsam, sehr langsam geht es voran. Tastend beinahe nähern sich die Finger den Saiten, bevor sich aus der Eröffnungskomposition »Brightleaf Blues« eine Melodie herausschält, die, kaum ist sie angedeutet, auch schon wieder verklungen ist bzw. nahtlos übergeht in »The Flower Tree«, das zweite Stück des Albums, das ebenfalls erst langsam an Fahrt gewinnt. Hätte ich einen Hang dazu, über Musik explizit politisch zu schreiben, so würde ich schreiben, dass jeder einzelne und mit Bedacht und bewusst gesetzte Ton auf Daniel Bachmans selbstbetiteltem Album dazu dienen kann, nachzudenken. Ûber Amerika zum Beispiel und seinen vernagelten Präsidentendarsteller, der (noch) damit durchkommt, sich zur Stimme eines angeblich lange überhörten, deklassierten (und mehrheitlich weißen) Amerikas zu stilisieren, um so – neben seiner ausgemachten Hohlheit – seinen Narzissmus und seine Egozentrik notdürftig zu kaschieren. Jeder Ton aus Daniel Bachmans Gitarre sagt leise aber bestimmt »Nein, danke« zur demagogischen Indienstnahme vermeintlich abgehängter, marginalisierter oder bildungsferner Bevölkerungsschichten (zu denen Bachman zumindest demographisch betrachtet hinzuzählt). »Nein, danke« und »Nicht mit mir« – leicht melancholisch und wohl wissend, dass dieses Instrument leider doch nicht hinreichen wird, Faschisten zu killen. Immerhin: »Wer denkt, ist nicht wütend« (Adorno) – wer Gitarre spielt oder ihr zuhört, findet vielleicht oder hoffentlich ebenfalls Möglichkeiten, nicht in Rage zu geraten oder blind um sich zu schlagen und entwickelt stattdessen Strategien, wie den um sich greifenden Engstirnigkeiten dies- und jenseits des Atlantiks heute und in Zukunft zu entgegnen ist.