Coriky

»Coriky«

Dischord

»Coriky is a band from Washington, D.C. Amy Farina plays drums. Joe Lally plays bass. Ian MacKaye plays guitar. All sing. Formed in 2015, Coriky did not play their first show until 2018. They have recorded one album. They hope to tour.« Alles klar? Die erfrischend knappe Info aus dem Hause Dischord überlässt die handelsüblichen Lobpreisungen der Ware lieber anderen. Mach’ ich mit Vergnügen. Denn zu hören gibt es die ersten Songs des Ehepaars Farina/MacKaye seit ihrem dritten und letzten The-Evens-Album (»The Odds«, 2012). Lallys Bass ist nun das bewährt warm groovende Bindeglied zwischen deren semi-akustischen, teils spröden Songs, seinem Solowerk und der Fugazi-Vergangenheit mit MacKaye. Schon der Opener »Clean Kill« ist ein Ohrwurm. Der Ruf nach »Soap and water! Never enough! Soap and water!« hat mehr mit dem Blut an den Händen von Militär und Polizei als mit COVID-19 zu tun. »Hard to explain« wird alte Fans mit den Zeilen »Your position wants me to fix something that you said I broke in 1986« aufhorchen lassen. Ansonsten verarbeiten und kommentieren die Texte Ereignisse und Eindrücke, die auch losgelöst von den unmittelbaren Anlässen ihres Verfassens (»Inauguration Day«) relevant bleiben. Nahezu jeder Song wartet mit einem catchy Refrain auf; was zusammen mit Dynamik und Rhythmen freilich dazu verführt, sich die Songs auch »fugazintensiviert« imaginieren zu wollen. Von den richtigen Händen produziert wären selbst kickende HipHop- und Dub-Remixe vorstellbar. Dermaßen solide ist das Songwriting. Und ganz ehrlich gesagt, der eine oder andere Song würde mir noch besser gefallen, hätte das Trio die Regler etwas nach oben verschoben. Haben sie aber nicht. Wollten sie auch nicht. Denn die bewusste Entscheidung für den folkig anmutenden, intimeren Sound lässt andere Akzente, etwa die drei Stimmen, deutlicher zur Geltung kommen. Respect the artist! Insgesamt ist sich die Dischord-Family in den letzten zwei Jahren mit wenigen, aber feinen Releases wieder produktiv nähergekommen. Gemeinsam mit Fugazi-Drummer Brendan Canty und dem Gitarristen Anthony Pirog entfachte Lally auf zwei Alben als The Messthetics instrumentalen Post-Fugazi-, Power-Trio-Furor, der auch Sonny Sharrock würdig zu covern versteht. Alec MacKaye (Faith, Ignition), in den 1990ern u. a. mit Schwägerin Farina als The Warmers aktiv, brachte mit Hammered Hulls eine Single heraus, die am stärksten dem Dischord-typischen Postpunk-HardD.C.ore-Sound verbunden ist. Und J. Robbins’ (Jawbox, Government Issue etc.) souveränes Rock-minus-Bullshit-Songwriting auf »Un-becoming« wurde von seinem früheren Mitstreiter Peter Moffett (Government Issue, Burning Airlines etc.) eingetrommelt. Bleibt noch die Frage: Wann lässt Guy Picciotto wieder musikalisch von sich hören?