Becoming Animal © Alternativa Festival

Bedrückende Schwermut in ambientöser Elegie

Fast ein halbes Jahrhundert subkulturelle Erfahrung bringen die Musiker* Gordon Sharp und Massimo Pupillo mit auf die Bühne. Am 13. April werden sie nun gemeinsam ihr im letzten Jahr auf Trost Records erschienenes Album »A Distant Hand Lifted« im Wiener Fluc präsentieren.

Becoming Animal, so heißt die kürzlich ins Leben gerufene, bereits in einem Album kulminierte Zusammenarbeit von Gordon Sharp und Massimo Pupillo. Die stabilitätszurückweisende Tierwerdung gilt dabei nicht nur als inhaltliches Leitmotiv, sondern auch als Transformation der eigenen Abstraktion, als amorphe und deshalb ungleich schwer zu fassende Klanghülsen in einem uferlosen See voller Melancholie und Schwermut. Fusioniert werden die vermeintlich besten Ansätze aus ihren bisherigen Arbeiten. Gordon Sharp ist als schillernde Figur hinter Cindytalk bekannt geworden, einer schottischen Formation, die sich seit den frühen 1980er-Jahren in »ambi-dustrialen« Gefilden bewegt, um dort die emotionalen Auswüchse und Abgründe zu besingen. Einst sang Sharp mit This Mortal Coil auf deren Debutalbum »It’ll End In Tears«. Es war sicher auch sein stimmliches Zutun, das eben jenes Titelstück »Kangaroo« zu einem veritablen Hit machte und die Türen für weitere Zusammenarbeiten öffnete. Der selbsternannte Transgender Warrior wurde von Duran Duran umworben, Cocteau Twins bemühten sich um seine* Stimme. Doch Gordon Sharp war auf einer anderen, vielleicht noch viel unkonventionelleren Mission und lehnte dankend ab. Zuletzt erschienen über die Jahre vier Soloalben auf Editions Mego, allesamt schleierhaft ambientös und (leider!) ohne der grandiosen Stimme großartig Platz einzuräumen.

Das wiederum im letzten Jahr auf Trost Records veröffentlichte »A Distant Hand Lifted« ist in dieser Hinsicht zwar keine künstlerische Zäsur, aber die Rückbesinnung auf die eigenen stimmlichen Qualitäten. Für tieffrequente Umwälzungen nebst epochal verzerrten Klangtürmereien zeichnet sich nun Massimo Pupillo aus. Dass der Italiener mit derlei eruptiven Eskapaden recht beflissen sein dürfte, zeigen unter anderem seine Vergangenheit als Bassist in der Improvisationsformation Zu, seine so endlosen wie hochkarätigen Zusammenarbeiten mit Katia Labèque, Caspar Brötzmann, Mats Gustafsson, Damo Suzuki und Oren Ambarchi, aber auch seine strenge Affinität zu ausgedehnt-aufbauenden Drone-Arrangements. Mit Becoming Animal kommt dick aufgetragener Schwermut ins Fluc!

Begleitet wird der Abend übrigens von hiroshimabend (puppy38) mit dessen außerweltlich anmutenden Industrial-Noise-Verstörungen. Der mittlerweile in Wien lebende US-Amerikaner veröffentlichte in den letzten Jahren eine erkleckliche Anzahl an Alben auf seinem Label opiumdenpluto und wird für Becoming Animal eröffnen.

Becoming Animal und hiroshimabend spielen am 13. April 2018 im Wiener Fluc, Einlass: 20:00 Uhr, VVK: EUR 10,– (Jugendinfo Wien), AK: EUR 12,–

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