AHL6

»Thinker Try to Dance«

Waschsalon Records

Der 1992 in Bad Ischl geborene Stick-Schwinger Lukas Aichinger hat bereits auf einer Vielzahl heimischer Produktionen seine Finger im Spiel: Aufmessers Schneide, Znap und Kurdophone sind nur einige davon, einen »unverkennbaren Personalstil mit Ecken und Kanten, aber immer spannend« sagt ihm Christoph Cech nach. »Thinker Try To Dance« ist seine Debüt-CD als Bandleader und Hauptkomponist und zudem der erste Wurf seiner neuen Band AHL6. Aber da ja bekanntlich aller guten Dinge drei sind, gibt es noch ein drittes First mit dieser Platte: Es handelt sich dabei nämlich um den ersten Release auf dem ganz frischen Label Waschsalon Records. Hinter diesem Label stecken die vier Kumpels Lukas Aichinger, Pianist Michael Tiefenbacher, Reeds-Mann Leonhard Skorupa und Bassist Tobias Vedovelli. Gemeinsam will man eine Plattform für die eigene Musik schaffen, die wohl andernorts als »zu schräg« abgestempelt werden könnte. Zum Glück! Denn so werden uns einige sehr provokant-hippe Releases in der nächsten Zeit direkt via Vertrieb der Künstler*innen erreichen. (Das Ensemble Kuhle Wampe verspricht bereits Großartiges.) »Thinker Try To Dance« ist nun aber die Geburtsstunde des Labels und setzt die Vorzeichen für alles, was noch kommen wird. Der Titel verrät bereits: Ganz unverkopft wird es nicht, aber eine – wenn auch wohl sarkastische – Aufforderung zum Tanzen ist da dennoch drinnen. Tatsächliches Tanzen zu dieser Musik wird schwer, liebt Aichinger es doch, alles, was sich als »straight« oder »groovy« zu etablieren scheint, nach wenigen Takten (oder maximal Minuten) wieder zu unterbinden. Das könnte schnell den Anschein von störrischem Komplexitätswahn erwecken, gäbe es da nicht stets eine humoristische und selbstironische Note in seinen Kompositionen und Arrangements, auf die auch Stücknamen wie »Al Took Your ____ «, »Duck Disco« oder »Exkursion zur Coolheit« verweisen. Apropos »Al«, dieser Cut sei allen empfohlen, die Aichinger bisher als zurückhaltenden und dezenten Drummer erlebt haben, denn hier holzt er sich gefühlt durch sämtliche Wälder zwischen dem Salzkammergut und Wien. Seine Band besteht aus etwa gleichaltrigen Weggefährten, die sich mühelos und mit viel Spaß an der Sache durch Aichingers Kompositionen ackern. Dem Gitarristen Markus W. Schneider fällt dabei eine besonders tragende Rolle zu, nämlich verkörpert er einen gut konservierten Achtziger-Jahre Gitarrenhelden, der beispielsweise auf »Meeting Point« jedes Knopferl seines sicherlich üppigen Effektpedal-Boards zu Klange bringt. Mit einer Laufzeit von 8 Minuten und 15 Sekunden ist dieses Stück das längste auf der Platte und auch aufgrund seiner Zusammensetzung ein besonders herausstechender Teil der Tracklist. Von Gitarrenrock-Schmalz führt es über einen langen, sphärischen, an Pink Floyd zur »Meddle«-Zeit erinnernden Mittelteil zu einem verträumten Outro. Bassist Tobias Pöcksteiner kratzt und scharrt mancherorts klangmalerisch an seinem Bass, einige der virtuosesten Soli spielt Leonhard Skorupa am Tenorsaxofon, Robert Schröck (Altsaxofon) und Thomas Liesinger (Trompete) werden sehr punktuell und konkret eingesetzt. Generell ist hier nichts dem Zufall überlassen, die Strukturen sind eng geschnürt. In seiner Konzentriertheit erinnert »Thinker Try To Dance« ein wenig an »Orbs« von der Band Aufmessers Schneide, bei der Aichinger ja auch Schlagzeug spielt. »Thinker Try To Dance« präsentiert sich introvertiert und verdrahtet, kann jedoch seine witzige Persönlichkeit nicht verbergen. Beim mehrfachen, konzentrierten Durchhören öffnen sich die Strukturen und der detailverliebte Kompositionsstil des Bandleaders bringt in Verbindung mit ausgecheckt-lässigem Interplay eine unterhaltsame knappe Hörstunde zustande, die als kaum enden wollendes Ideenfeuerwerk auf jeden Fall zur Speerspitze aktueller heimischer Releases gehört.