Fatoni © Andreas Häusler
Fatoni © Andreas Häusler

Verstaubte Ironie

Am Dienstag, dem 22. September 2026, brachte der deutsche Rapper Fatoni sein Album »Drama endet nie« auf die Bühne der Wiener Arena. Ein Nachbericht.

Fatoni bestritt mit seinem Auftritt am 22. September 2026 in der Arena Wien das einzige Österreich-Konzert seiner »Drama endet nie«-Tour. Der deutsche Rapper und Schauspieler veröffentlichte das gleichnamige Album im Juli dieses Jahres. Auf großer Solo-Tour zeigt sich nun, dass Anton Schneider nicht nur auf Netflix oder Kinoleinwänden, sondern weiterhin auch auf der Bühne überzeugen kann.

Energetische Show …

Eröffnet wird der Abend von Dissy. Dieser schafft es nach einem verhaltenen Start spätestens mit seinem Song »Arbeit« und der textlichen Referenz zu »Die Arbeiter von Wien«, das Publikum für sich zu erwärmen. Kurz darauf betritt Fatoni nach dem Intro »Space Oddity« die Bühne und hat ab der ersten Sekunde die volle Aufmerksamkeit. Der ganze Auftritt funktioniert als Energieleistung des Rappers. Beginnend mit Songs wie »Nachos« oder »Geld ist geil« verliert Fatoni keine Zeit und lässt die Menge direkt beben. Auch Dissy bekommt erneut seinen Moment, wenn er für den gemeinsamen Song »Nicht Hollywood« auf die Bühne kommt. Zwischendurch werden auch Texte geändert: Statt über Tupac rappt Fatoni über John Lennon, auf »Das ist alles Kunst« wird eine eklige Zeile nicht mehr gerappt, sondern eingestanden, wie unpassend diese Worte sind.

Fatoni liefert an diesem Abend nicht nur seine neuesten Solosongs, sondern auch »Bussard« vom Soundtrack der Netflix-Serie »Kacken an der Havel« oder ein Kollabo-Medley seiner Parts in Songs mit Juse Ju und Edgar Wasser. Nach einigen ruhigeren Liedern über Herzschmerz, beispielsweise »Oktober« oder »Vergissmeinnicht«, wird mit einigen Moshpits zu »Auseinander« und einer kollektiven Tanzparty bei »Feeling« der Abend vorerst beschlossen. Für die Zugabe wählt Fatoni dann Songs, die kaum besser passen könnten. Mit »Alles zieht vorbei« und »Wenn wir uns wiedersehen« endet nicht nur dieses Arena-Konzert, sondern auch ein smart konzipiertes Set.

Fatoni © Andreas Häusler

… mit Abstrichen

Fatoni hat sich im Laufe seiner Karriere als politischer Künstler etabliert, doch live wirken seine Texte auch immer wieder rechthaberisch. Überironisch wird alles lächerlich gemacht und am Ende wenig ausgesagt: »Journalisten fragen, ob ich was zu sagen hätte / Doch ich habe keine Zeit, ich führe linke Grabenkämpfe«. Wenn dann das Publikum, das in weiten Teilen aus Mittvierziger-Männern besteht, besonders euphorisch (und angeblich ironisch) »Ihr Hurensöhne« mitbrüllt und sich bei inhaltlich versierter Kritik zurückhält, macht das kein besonders gutes Bild. Die meisten Reaktionen ziehen am Ende Zeilen, die nicht viel tiefer gehen als »FPÖ/AfD = schlecht«, obwohl sich Fatoni in seinen Songs über genau diese Redundanz lustig macht, wenn er rappt: »Alle lieben doch politische Lines / Hier ’ne politische Line: Krieg ist nicht geil«.

Das Arena-Konzert des deutschen Rappers Fatoni bietet eine Show, die das Publikum zu überzeugen scheint. Mit Deep-Dives in die verschiedenen Phasen seines Schaffens und einer energischen Leistung des Künstlers hat die Crowd Spaß, wird sogar noch mit einem Live-Feature und einigen Freestyles beschenkt. Am Ende hinterlässt der Abend trotzdem gemischte Gefühle. Das Stumpfe erzeugt am meisten Reaktion – eine Entscheidung, die Fatoni in seiner Kunst trifft, egal ob absichtlich oder nicht. Pseudointellektuell über allem zu stehen und auch in seinen Vierzigern noch misogyne Worte auf der Bühne zu performen, gibt einem überzeugenden Auftritt doch auch immer wieder einen verstaubten Eindruck.

Fatoni © Andreas Häusler

Home / Musik / Konzert

Text
Nico Rottenbücher

Veröffentlichung
24.09.2026

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