OK Kid begingen am Sonntag, dem 27. September 2026, ihren Tour-Auftakt in der Wiener Ottakringer Brauerei. In veränderter Formation feierten die Gießener ihr Comeback nach längerer Pause und spielten in Wien ihr erstes Tour-Konzert. Mit dem neuen Album »Komm wir bleiben stehen« im Gepäck absolvierte die Band einen Auftritt voll schmerzhaftem Zeitgeist. Eröffnet wurde der Abend von Tape Head, entgegen der Ankündigung vor dem Konzert ohne Producer Noni – die Support-Acts der Tour sind explizit Artists, die ihre Konzerte dort absagen mussten, wo sie nun eröffnen.

Tape Head überzeugt bei seinem Quasi-Nachholspiel als Vor-Act. Mit einer überragenden Bühnenpräsenz heizt er die Ottakringer Brauerei ordentlich an. Kurz darauf eröffnet Jonas Schubert, der Sänger der Band, den OK-Kid-Auftritt aus dem Publikum heraus. Nachdem das Set mit den neuen »Hoffnung stirbt«-Songs beginnt, springt das Publikum zu »Rave on« und »Wie ein echter Mann« der Dystopie entgegen. Doch auch ältere Songs fehlen nicht. Die Hits »Stadt ohne Meer« und »Gute Menschen« kommen gut an – vor allem zweiterer mit einer neuen Strophe. Das Set ist gelungen, auch weil die Details gut durchdacht sind. Bei »Die Kids sind alright« werden zwei große Flaggen geschwenkt, wobei die Bühne der Ottakringer Brauerei dafür nicht breit genug ist und sie deswegen eher schlackern. Für »Es ist wieder Februar« kommt diesmal die ganze Band in die Crowd und der allererste OK-Kid-Song »Verschwende mich« wird von Tape Head und einigen Crew-Mitgliedern stimmlich unterstützt.

Der Abend endet mit einem der neuen Lieder. Auf »Hör nie auf« singt die Band vom Durchhalten. Viele Songs dieses Abends behandeln die Klimakrise, den ansteigenden Faschismus und das Funktionieren in all dem. Dadurch fühlt sich der Auftritt von OK Kid wie ein kleiner Hoffnungsschimmer in dunklen Zeiten an. Man merkt, dass der Band die Pause gutgetan hat. Ohne falsche Hoffnung ist dieser Abend von Zusammenhalt geprägt und gibt den Anwesenden und der Band das Gefühl, im Chaos weniger allein zu sein. Mit einer der letzten Zeilen des Abends wird das deutlich: »Hör nie auf damit / Spuck mir die Wahrheit ins Gesicht / Lass dir von niemanden erzähl’n, ja, was Liebe für dich ist«. Die Band überzeugt mit diesem Auftritt ein altersmäßig durchmischtes Publikum und zeigt auch, dass man nach 14 Jahren Bandgeschichte noch lange nicht auserzählt hat.

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