Nachdem einige Bands maskiert auf die Bühne treten – damit nichts vom Sound ablenkt, heißt es hie und da in Interviews – fragt man sich, ob nicht gerade das die Wahrnehmung mehr aufs Äußerliche konzentriert. Zumal die Verkleidungen sehr fantasievoll und wunderlich sein können, wie zum Beispiel bei Austin TV oder Goat. Apropos Ziege: Die Soundwölfe im Schafspelz der texanischen Band Ak’Chamel haben etwas von Eau de Bock an sich, als sie am Abend des 23. September 2026 im Flucc durchs Publikum auf die Bühne zuspringen. Mit den Schalmeien, Rasseln und Trommeln ergibt sich so eine Ouvertüre aus indischer Hochzeitsprozession, gepaart mit etwas (angeblich) Ur-Österreichischem …

Der Krampus kommt dieses Jahr früher
Einmal das schamanische Punk-Ritual begonnen, begrüßen Ak’Chamel ihr Publikum aus Musik-Nerds, ehrwürdigen Altmetallern, Indie-Erstis und Normcore-People mit einer Salve aus Sound. Es scheppert gewaltig im Raum, mit dem Start einer wüsten Drone-Session kann man aber, wie erwartet, zufrieden sein. Wenn dann nicht der Moment eintreten würde, wo’s fad wird und man sich fragt: Was machen die Musiker nun, da sie so effektvoll um unsere Aufmerksamkeit geheischt haben? Wo bleibt der »Sonic Stardust« und der Desert-Rock-Sandsturm? Die Virtuosität scheint ihnen kurzfristig abhandengekommen zu sein und man wendet sich wieder den Kostümen zu. Eventuell sind hier nicht Menschen am Werk, die das Stoner-Klischee des »white middle-aged male« erfüllen, sondern POC? Wäre doch schön, wenn eine immerhin Aficionados weltweit bekannte Band die »Kreidegrenze« überschreitet? Da bereits mit großer Wahrscheinlichkeit festgestellt werden konnte, dass es sich bei den Vermummten um männliche Musiker handelt, bleibt aber sonst alles beim Alten. Denn obgleich bei einigen ähnlich formierten Gruppierungen mittlerweile die Frauenquote höher zu sein scheint, kann man annehmen, dass sich Frauen immer noch mit »visual appeal« zeigen müssten, um gesehen zu werden.

Komm, sing mit!
Genug der Spekulationen, Ak’Chamel sind warm geworden und spielen bukolisch-fröhlich schöne Töne. Für eine Weile, dann geht’s wieder weiter mit verhexten Gesängen zu rasselnden knochentrockenen Riffs. Nur um dann – ein Genussmoment! – die mit Fell bemäntelte Gitarre wie eine Sitar schnurren zu lassen. Dergestalt wird die Flucc-Gemeinde von ihren Ziegenhirten mal mehr, mal weniger stilistisch simpel bespielt. Man merkt, dass manchen Acts mit den Jahren eine gewisse Finesse verloren geht, das kann aber auch am Ambiente liegen oder an der Tour. Jedenfalls kommen die einfachen Mitsing-Parts beim Publikum gut an, auch wenn die Message stellenweise unartikuliert und dumpf rüberkommt. Das Klangbild der Wüstenlandschaft von vorher wird durch eine schnellere Gangart der Drums plötzlich zur Rallye-Piste. Die schreienden Schamanen – Meister ihres Fachs, no doubt – wollen wohl klarmachen, wie der Zustand der Welt gerade ist? Aber dieses Ritual zum Ausleiten des Frusts und Schmerzes durch Schall und Rauch kommt so langsam zu seinem Ende. Wenn da nicht noch diese tanzbare Zugabe gewesen wäre, die die ganze nachfolgende Woche für einen gewaltigen Ohrwurm sorgen wird. Sie spielen »Lambada«. Zuerst trickreich und sexy – what else? – und dann mit voller Dröhnung zum Mitgrölen wie im Stadion. Uff, hat sich die wunderbar mysteriöse Welt dieser Band gerade selbst ad absurdum geführt?











