Ein Sonnenschirm in Aperol-Orange, zwei Klappsessel und ein Campingtisch mit überdimensioniertem Retro-Radio darauf – die Bühnendeko zeigt bereits auf den ersten Blick, dass es mit Mar Malade auf eine Reise gehen wird. Eine Reise in den Sommer, zu sonnenwarmen Sandstränden, guter Laune und vor allem guter Musik. Und tatsächlich: Als Alexander Hauer und Michèl M. Almeida die Bühne betreten, geht im Veranstaltungsraum des Wiener WUK die Sonne auf.

Der Start
Sie fackeln nicht lange und heizen gleich mit ihrem ersten Lied, »Fatamorgana«, das Publikum an. Und es wirkt: Die Menge lässt sich auf die Reise ein und begleitet Mar Malade bei dieser Station ihrer »Tourists«-Tour. Das Thema »Tourists« zieht sich noch mit einigen Schmähs und Gags durch den Abend, den das Duo mit einer Menge an erzählerischen Elementen ausschmückt. Dabei laden sie uns als Publikum ein, an ihren Werken noch mehr teilzuhaben und in die Musik eintauchen zu können. Sie erzählen von der Entstehungsgeschichte der Lieder, ihren Gedanken dazu und ihrem Spaß daran. Und auf einmal fühlt es sich nicht mehr einfach nur nach einem Konzert an, sondern nach Freunden, die uns an ihrer größten Freude teilhaben lassen: am gemeinsamen Musizieren.

Die Reise
Die Texte entführen uns an die unterschiedlichsten Orte: nach Mexiko und in den Bauch eines Wals, zu fantastischen Traumlandschaften und an ganz reale Orte. Wer hätte gedacht, dass ein Bauernhof in Norddeutschland mit Blick auf das gegenüberliegende Fußballfeld zu einem Sehnsuchtsort werden könnte? Wir werden eingeweiht, wie das Lied entstanden ist – nämlich ohne viel Firlefanz und komplexe Studiotechnik, sondern im Kinderzimmer der Cousine, beim Jammen, Ausprobieren und Spaßhaben. Dieses Gefühl nach zuhause und gleichzeitig weit weg sein, nach Reisen und Ankommen, nach Freiheit, dem Einfachen und dem Freudigen, verpacken sie spielerisch in all ihre Songs. Manchmal ein wenig nostalgisch, manchmal fast skurril, manchmal nur Alltag: Es ist Kunst, all das in Musik zu packen. Und daraus werden Songs, die uns mitnehmen, mal festhalten, mal fallenlassen – so, wie wir es gerade brauchen.

Die Ankunft
Wie gut das ankommt, zeigt sich bei einem Blick ins Publikum. Gemeinsam wird getanzt und gelacht, es fühlt sich an wie eine Feier unter Freund*innen. Der Abend ist nicht nur eine musikalische Reise in warme, sonnengetränkte Gefilde, sondern auch eine Auszeit von der Realität. Mit Musik, die laut den Künstlern ebendiese »escape from reality« sein soll, bringen Mar Malade ein fast kindliches Gefühl der Freude und Leichtigkeit mit, die man in Zeiten von Klimakrise, Rechtsruck und Co. anderswo lange suchen muss. Hier handelt es sich immerhin nicht um reinen Eskapismus, kein hedonistisches Abtauchen in ignorante Welten. Die Musik bringt Wärme, Zusammengehörigkeit und gute Laune. Damit wird sie ein wichtiger Ort zum Auftanken, Kräftesammeln und Weitermachen. Gemeinschaftsgefühl und Kreativität werden hier großzügig verbreitet, man fühlt sich aufgehoben und gestärkt – bevor man wieder in die kühle Oktobernacht hinausgeht, zurück in die Realität.

Link: https://www.mar-mala.de/











