Foto: © Gustavo Petek
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»Uns ist Grenzüberschreitung wichtig«

»Brandstätte« soll eine neue Konzertreihe von Mia Zabelka und Michael Fischer im Wiener Café Korb heißen. »Eine breite Palette macht den Charakter einer Stadt aus«, meint die Impro-Geigerin.

»Out of the comfort zone, ich spiele ja nicht Blockflöte«, sagt Mia Zabelka zu Beginn der Pressekonferenz ohne erkennbaren Zusammenhang und schnauft. Irgendwie ein künstlerisches Statement. Die E-Violinistin, die gerade zwei Monate lang auf Tour war, ist in das Wiener Innenstadt-Café Korb eingeflogen. Unten im Keller, der von drei männlichen Künstlern künstlerisch dominiert und ausgefüllt wird, wird Zabelka eine Konzertreihe starten. Der freien Improszene und der Experimentalmusik soll im Rahmen von Wien Modern mehr Raum gewährt werden. Dazu gründete Zabelka gemeinsam mit Michael Fischer vom Vienna Improvisers Orchestra einen neuen Verein: »Society for Free Improvisation and Experimental Music Austria« (SFIEMA).

Es soll ein Festival pro Jahr geben, »denn mir ist der kritische Diskurs abhandengekommen«, meint Mia Zabelka. »Der Begriff Improvisation verflüssigt sich, es gibt wenig konkreten Diskurs.« Michael Fischer möchte mit LiteratInnen zusammenarbeiten, in London gäbe es eine unvergleichlich interessantere Szene zu musikalischen Literaturexperimenten als in Wien. Fischer kritisiert eine Improvisationsmusik, die allein auf den verschiedenen technischen Möglichkeiten beruhe. »Harmonielehre, Obertongestaltung – es gibt Musiker, die davon keine Ahnung haben, aber wunderbar spielen. Es geht uns auch um die emotionale, soziale, mentale Seite der Musik, wir wollen unterschiedliche soziale Kommunikationen entwickeln«, sagt der Gründer des Vienna Improvisers Orchestra und weist darauf hin, dass es noch sehr viele ähnliche Orchester in verschiedenen Teilen der Welt gibt, die man doch einmal nach Wien einladen könnte.

Impro-Feuer auf der Brandstätte

Der Leiter von Wien Modern, Bernhard Günther, ist ebenfalls anwesend (inklusive seines tollen Hutes aus Venedig), und berichtet von den »Hunderten von Improvisationsmusikern« in Wien. »Es tut sich ja was«, meint Günther und verspricht, dass 2018 bei Wien Modern Improvisationskunst noch eine größere Rolle spielen wird. »Brandstätte« soll das neue Festival heißen, denn das Café Korb befindet sich an der Brandstätte – jetzt eine Straßenverbindung, einst ein historischer Platz, der seit dem gründerzeitlichen Umbau Wiens nicht mehr existiert – in der Nähe des Wiener Stephansdoms. Dessen Chefin ist sehr bekannt in Künstlerkreisen, ein großes Foto von ihr hängt an der Wand.

»Die Szene verlagert sich gerade in den asiatischen Raum«, behauptet Zabelka. »Die Improvisationsmusik liegt in Wien sehr nahe an der klassischen Musik. Dabei muss sich eine individuelle Klangsprache nirgends anlehnen. Eine breite Palette macht den Charakter einer Stadt aus. Wir wollen uns zur U-Musik hin öffnen, zu experimentellem Rock, Punk, Elektronik in Richtung Pop … wir sind offen. In Wien gibt es oft Barrieren und Ängste. Kunst schafft kein monumentales Werk, um das man herumgehen kann – wir wollen leichtfüßiger sein.«

Bereits am Freitag, dem 4. November 2016, wird es die erste Kostprobe des neuen Vereins SFIEMA geben, mit einer »All-Star-Besetzung«: Zahra Mani, John Russell, Maggie Nicols, Olga Nosova und Sofia Härdig werden dafür anreisen.

Late Night 1: Brandstätte, Gründungskonzert der neuen Improvisations-Konzertreihe der SFIEMA, 4. November 2016, 22:00 Uhr, Café Korb/Keller. Feat. Trio Blurb, One.Night.Band, Michael Fischer & Joao Castro Pinto, Herbert Lacina.

SFIEMA im Internet

 

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