Central Garden © Mio Michaela Obernosterer

Subkultur in der Corona-Krise #3

Lakonisch muss konstatiert werden, dass die Krise viele Institutionen gefährdet. Auch für den Wiener Central Garden am Donaukanal sieht es gerade düster aus.

Florian Schmeiser betreibt seit über zehn Jahren den Central Garden am Wiener Donaukanal. Dieses von der Stadt Wien »Ermöglichungsraum« getaufte Areal bietet im Sommer auf einer Wiese und angrenzender Terrasse mit Blick auf den Stephansdom eine wohl einzigartige Gelegenheit zum Abhängen. In den vielen Jahren seines Bestehens wurde der Central Garden schon mehrfach umgebaut und letztes Jahr nach langwierigen Verhandlungen um die Pachtvergabe sogar winter- und wetterfest gemacht. Neben dem gastronomischen Angebot gibt es ein niederschwelliges Kulturprogramm mit Lesungen und Konzerten. Auch der Salon skug gastierte in den vergangenen Sommern in dieser feinen Venue und hatte das auch für dieses Jahr wieder geplant. Ob daraus was wird, ist fraglich. Aus aktuellem Anlass bitten wir Florian Schmeiser aber um einen Lagebericht.

skug: Wann hast du von den Corona-Eindämmungsmaßnahmen erfahren und was war dein erster Gedanke?
Florian Schmeiser: Aus den Medien ein paar Tage vor Inkrafttreten. Ich war überrascht über Ausmaß und Geschwindigkeit der Maßnahmen.

Was habt ihr im Team gemacht und besprochen, als die Notwendigkeit zur Schließung Gewissheit wurde?
Wir haben entschieden, möglichst rasch zu reagieren, und haben schon einen Tag früher zugemacht. Wir hatten vor, einen Sonntagsflohmarkt zu machen, und wären an dem Tag sicher sehr voll gewesen.

Wie sieht es aktuell aus? Könnt ihr euch den Nicht-Betrieb bei laufenden Kosten überhaupt noch leisten? Habt ihr Unterstützung beispielsweise von der MA 7 oder WKO?
Nein und nein. Wir können es uns nicht leisten und haben keine Unterstützung. Bei der WKO hängen wir in der Warteschleife. Dort hoffen wir auf eine anteilige Unterstützung der Miete. Das hilft aber nicht mit laufenden Kosten, Rückzahlungen und offenen Rechnungen. Von der MA7 hab’ ich noch nichts gehört oder gelesen.

Wie siehst du die Chancen eines gemeinsamen Handelns der Subkultur-Veranstalter*innen, zum Beispiel über die IG Kultur? Ist der Central Garden hier vernetzt?
Nein. Es wäre schön, wenn es Unterstützung der gesamten Kulturszene in Wien gäbe.

Überall sprießen jetzt Online-Veranstaltungsideen aus dem virtuellen Boden. Habt ihr Pläne in diese Richtung und wie schätzt du diese Möglichkeiten ein?
Wir haben keine Pläne in die Richtung. Ich persönlich bin ein Freund der Realität. Bis auf wenige Formate halte ich wenig von Selbstvirtualisierung.

Das einzigartige Flair, mitten in der Stadt im Freien sitzen zu können, wird im Stream wohl eher nicht rüberkommen?
Da fällt mir auch keine rhetorische Antwort ein …

Wie viele Veranstaltungen musstest du absagen und hast du Kontakt zu den Artists? Was für ein Stimmungsbild zeigt sich bei denen?
Ca.15, bei uns kommen laufend neue Veranstaltungen hinzu, wenn noch Platz ist. Dazu leider eine laufende Ausstellung, die wir kurz davor eröffnet haben und die ich sehr empfehlen möchte, für diejenigen, die irgendwann wieder in den Central Garden kommen: Gregor Eldarb im Salon du Smog, unserem neuen Kunst-Offspace. Ansonsten hab’ ich lustigerweise während der letzten Wochen mehrere neue Anfragen erhalten, ein Optimismus, der mich überrascht hat.

Was sagst du zur Gefahr, dass die Corona-Krise zu einer Art »Marktbereinigung« genutzt wird, bei der am Ende nur wenige große Player übrigbleiben und viele kleine Veranstalter*innen pleite sein werden?
»Genutzt« glaube ich nicht, da niemandem hier eine Intention unterstellt werden kann. Aber letztlich ist in einer Rezession vieles gefährdet, sicher wird einiges verschwinden. Die Verteilungsfrage zwischen »groß« und »klein« ist immer zu stellen.

Könnte die ganze Chose am Ende auch etwas Gutes haben für die Wiener Kulturlandschaft?
Fällt mir nichts ein.

Welche Pläne und Ideen hast du für Hochsommer und Herbst, sofern dann wirklich wieder geöffnet werden darf?
Überhaupt zu öffnen reicht mir schon. Ich versuche im Moment herauszufinden, wie das im Detail funktionieren wird, welche Sicherheitsmaßnahmen etc. kommen werden. Ich glaube nicht, dass das Virus im Sommer ganz verschwindet, sicher nicht aus unserem Alltag und unseren Köpfen. Die Idee, möglichst viele Leute anzuziehen, erscheint im Moment kontraproduktiv.

Vielen Dank für das Gespräch und passt auf Euch auf.
Danke, ihr auch!

Link: https://www.centralgarden.at/