Foto: © !K7

Scuba wagt sich an die 38. Ausgabe der DJ-Kicks

Der in Berlin lebende Brite Scuba liefert seinen Beitrag zur DJ-Kicks-Reihe auf !K7 und führt uns eleganten Schrittes über den schmal gewordenen Grat zwischen Techno und Dubstep.

Der Essential Mix auf BBC Radio One, die Fabric Mix-CDs des gleichnamigen Londoner Clubs oder die DJ-Kicks-Serie des Berliner Labels !K7: drei Beispiele für Institutionen elektronischer Tanzmusik, deren Hauptaufgabe darin besteht, wichtige Entwicklungen und den Sound der Stunde prägnant auf den Punkt zu bringen. Jede dieser drei prestigeträchtigen Institutionen hat ihren eigenen Charakter, ist für sich gewachsen und steht für einen bestimmten Ansatz oder Musikstil. Ihnen allen gleich ist der Anspruch, Sahnehäubchen in Form von Live-Sets oder DJ-Mixes für den Hausgebrauch im eigenen Wohnzimmer zu kredenzen. Die DJ-Kicks-Reihe kann dabei auf eine lange Tradition zurückblicken, die 1995 mit der ersten Auskopplung von CJ Bollands Mix begann. Seitdem ist viel Wasser die Spree hinuntergeflossen, die wichtigsten musikalischen Wellen wurden bei !K7 aber stets und souverän mitgenommen. Legendär wurden beispielsweise die Mixes von Kruder & Dorfmeister (1996), Nightmares on Wax (2000) oder zuletzt das gemischte Doppel von Wolf+Lamb vs. Soul Clap (2011). Ja, einige DJ-Kicks sollten sich im Nachhinein als einflussreich herausstellen, nicht ohne Grund sollten manche Mixes gar zur Referenzfolie ganzer Genres avancieren. 

Seismograph aktueller Bassmusic

Verständlich, dass man als DJ oder Musiker der Serie seinen eigenen Akzent mitgeben möchte, und nicht minder verständlich, dass sich Scubas Mix als Seismograph aktueller Bassmusic-Bewegungen verstanden lassen will. Der Boss von Hotflush Recordings, Initator der Sub:Stance Parties im Berliner Berghain und meist mies gelaunter Wahl-Friedrichshainer, kennt nicht nur die Richtung, er nimmt uns förmlich an die Hand und weist den Weg über den schmal gewordenen Grat zwischen Dubstep und Techno. Der Mix beginnt, allein das mag nicht überraschen, mit einem atmosphärisch-flächigen Gerausche, nimmt aber, nachdem sich der Nebel erst Mal gelichtet hat, schon nach wenigen Minuten ordentlich an Fahrt auf. Bei Incydes Remix von »Lost Highway« wabert es die erste schwere Bassline aus den Boxen und wir ahnen leise, was da noch kommen wird.

The Art of »Third Tracking«

Mit viel Gefühl in den Fingerspitzen und äu&szligerst präzise, mit britischem Understatement und durch eine Handvoll exklusiver Tracks und Edits geradezu sophisticated mixt sich Scuba durch die 32 Tracks seiner Playlist. Die Grenzen der Tracks indes verschwimmen, was die Betrachtung einzelner Stücke schnell obsolet werden lässt. Denn Scuba stellt auf beeindruckende Weise sein Handwerk unter Beweis. Er beherrscht die Kunst des »Third Track«, das Zusammenmixen zweier Tracks, die in ihrer Summe einen emergenten Dritten ergeben, geradezu virtuos und lässt die Kernaussagen der 32 Stücke in 76 Minuten so gekonnt miteinander kulminieren, dass man selten genau wei&szlig, an welcher Stelle seines Sets man sich gerade befindet. Genau das braucht es aber auch nicht, denn es geht schlie&szliglich um den Flow des Mixes. Spätestens mit diesem Set sollte Bassmusic von der wobbligen Halfstep-Variante des Dubstep emanzipiert sein. Der Mix schraubt in seinem Verlauf das Tempo nicht – wie so oft – nach oben, sondern er wird langsamer. Scuba entschleunigt von anfänglichen 135 auf 125 BPM, ohne dass man es überhaupt mitbekommt, und entlässt uns schlie&szliglich in die Tiefe der geraden Kick. Der Nebel kann wieder kommen.