Selten, aber doch passiert es. In Zeiten der Rezession, wo sich jeder Laptop-Minimalist um Kuratorenposten oder Unterrichtspositionen prügelt, wenn er nicht gleich lieber eine Pizzeria aufmacht, da können eigentlich keine spannenden Platten mehr rauskommen. Es sei denn Oval meldet sich mal wieder aus dem Orbit oder konstante Kleingenies wie Bretschneider oder Shuttle358 finden mal wieder Wortersätze. Sonst sieht ambienter Glitch reichlich leichenblass aus, fordern CD-Skipgeräusche und Digi-Flirren eher belustigtes Hüsteln beim Publikum. Und dann gibt es die Ausnahme: Montreal Man Tim Hecker heißt sie. Sein Click-Techno als Jetone kann gar nicht genug gewürdigt werden. Und die ganzkörperlich verkabelten Hitzewallungen unterm Geburtsnamen eröffnen mit jedem Hörversuch ein neues Weltmeer an minimalistischer Klangversenkung. Nach Alien8-Seitenlabel Subtractif rightfully bei Vorzeigeadresse MP gelandet, tut sich auf Radio Amor ein Nichts mit großen Schritten. Oft hat man den Eindruck, man hört Francis Lais Score für »Ein Mann und eine Frau« in ineinander rotierenden Einzelbildern: Monochrom blaue Umarmungen. Wellenmeer im Gegenlicht. Super8-Schau verflossener Lieben. Das Süßliche nimmt den Anspruch gekonnt in den Arm. Ein Paste-Epos in neuromantischer Zeitlupe. Wir atmen ein. Wir atmen aus.
Tim Hecker
Radio Amor
Mille Plateaux
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