Paula Temple © Nicole Fleiner

Paula Temple am Ende von allem

Paula Temples Debütalbum ist kathartisch. Mit noisigem Techno rüttelt »Edge of Everything« an bestehenden Machtstrukturen und liefert den Soundtrack für eine positive Apokalypse. Live-Weltuntergang am 26. Juli in der Grellen Forelle, Wien.

Paula Temples erster Longplayer »Edge of Everything« erschien im Mai 2019 über das eigene Label Noise Manifesto. Ihre Musik beschreibt sie als Grenzerfahrung: »It pushes the body to the limits, through that the mind is exploding with freedom.« Die auf ihrem Label veröffentlichte Maschinenmusik sieht Paula Temple als Cyborg-Kunst: »I have never known my existence outside of a patriarchy. In my music, I want to strip all that away and think about me as a human and machine at the same time.« Paula Temple zufolge soll Techno einen Raum schaffen ohne Genderrollen, staatliche Kontrolle und Grenzpolitik. Diesen Raum schafft »Edge Of Everything« mit brachialer Härte. Tracks wie »Futures Betrayed« sind gemacht für dunkle Clubräume mit massiver Soundanlage. Die Stimmung ist zerstörerisch. Das epische Arrangement von »Raging Earth« fühlt sich an wie das Beben der Endzeit. Nur hin und wieder scheint auch Licht, denn auf Apokalypse folgt nicht unbedingt Düsternis und Ambient-Tracks wie »Nicole« geben Hoffnung auf eine Befreiung danach.

Die Forderung nach Freiheit ist immer wieder Thema in Paula Temples Arbeit, auch in der ersten Single-Auskoppelung »Joshua And Goliath«. Der Titel bezieht sich auf Joshua Wong, einen Studenten und Aktivisten aus Hongkong. Er gründete 2014 das Umbrella-Movement und behauptet sich derzeit gegen den chinesischen Staat. »It’s a thank-you track to courageous people, political and environmental activists who lead movements and at great personal cost really stand up against superstructures.« Ihr Dankeschön kommt in zwei Versionen, einmal »Slow« und einmal »Techno«. Der rauschende Synthesizer-Tonlauf ist bei beiden Tracks derselbe, jede Version setzt ihn anders in Szene. Bei der »Techno«-Version ist die Kraft in Paula Temples Musik besonders spürbar. An diesen Stellen ist »Edge Of Everything« eine Bestärkung für politisch Unterdrückte und liefert Rohstoff für Heilung und Widerstand. Natürlich muss es dafür laut sein: »Sometimes, there is so much soap in the soundsystem that I walk off the stage full of adrenaline.«

Am 26. Juli 2019 macht Paula Temple die Katharsis auch für Wien spürbar, sie spielt in der Grellen Forelle bei TURBO neben BØRT und Therese Terror.

Das vollständige Interview gibt‘s auf Radio Orange 94.0: https://cba.fro.at/398261

Link: https://paulatemple.com/