Filmstill »Oase« © Viennale
Filmstill »Oase« © Viennale

Junge Stimmen bei der Viennale 2026

Die Viennale 2026 wendet sich erstmals auch gezielt an ein junges Publikum – wir überlassen deshalb an dieser Stelle einem Jungautor das filmkritische Wort.

Die Viennale erschließt sich 2026 mit einem jugendgerechten Programm eine neue Zielgruppe: Das Ferien-Abo bietet Schüler*innen von 14 bis 19 Jahren in Kooperation mit der Bildungsdirektion Wien vier ausgewählte Filme für nur 20 Euro. Und die Viennale Debut Card lädt mit vergünstigen Tickets um 8,50 Euro für 19 jugendgerechte Filme Debütant*innen ein, das Festival kennenzulernen. skug unterstützt das im Sinne eines diversen Kulturjournalismus, deshalb haben wir bei den diesjährigen Kurzreviews auch eine junge Stimme untergemischt.

»Paper Tiger« (James Gray, BR/IT/US 2026)

In seinem Thriller »Paper Tiger« erzählt James Gray von den beiden ungleichen Brüdern Gary und Irwin Pearl (Adam Driver und Miles Teller), die im Umfeld der russischen Mafia im New York der 1980er-Jahre in einen Strudel aus Gewalt und Loyalitätskonflikten geraten. Besonders Adam Driver überzeugt in seiner Rolle als Ex-Cop, der zwischen die Fronten geschäftlicher Interessen und familiärer Verbundenheit gerät, mit seinem intensiven Schauspiel. Auch die spannungsgeladenen Szenen sind toll inszeniert und verleihen dem Film eine beklemmende Atmosphäre. Weniger gelungen ist für mich die Nebenhandlung rund um Irwins Frau Hester, gespielt von Scarlett Johanson, in der sich der Film stellenweise verliert. Gerade Irwins innerer Konflikt zwischen der Bewunderung für seinen Bruder und der Verantwortung gegenüber seiner eigenen Familie ist jedoch spannend umgesetzt und hätte noch stärker im Mittelpunkt stehen dürfen.

»Oase« (Jannis Lenz, DE/AT 2026)

Jannis Lenz versucht in seinem neuen Film »Oase« ein vielschichtiges Drama über Gruppenzwang und soziale Isolation zu erzählen, verheddert sich dabei jedoch in erzählerischer Hinsicht gewaltig. Im Zentrum stehen drei Jugendliche, die sich nach einem Konflikt an der Schule in den Wald zurückziehen, um dort einen scheinbar sicheren Zufluchtsort zu errichten. Was als spannender Ansatz beginnt, wird im Verlauf des Films zunehmend wirr und ungreifbar. Statt eine klare Linie zu verfolgen, verliert sich die Inszenierung in sprunghaften Handlungssträngen und überladener Symbolik. Auch das Figurenportfolio kann diese Schwächen nicht auffangen: Die Charaktere bleiben durchgehend zu einschichtig, klischeehaft und ohne echten Tiefgang, weshalb ihre Entscheidungen und Konflikte kaum nachvollziehbar sind. Am Ende bleibt von dieser »Oase« leider nur ein zähes und unbefriedigendes Kinoerlebnis.

»Behemoth!« (Tony Gilroy, US 2026)

Musik ist in Tony Gilroys »Behemoth!« weit mehr als nur die Begleitung einer Geschichte. Im Mittelpunkt steht der Cellist Alex Serian (Pedro Pascal), dessen Rückkehr nach Los Angeles ihn mit alten Beziehungen, familiären Problemen und seiner eigenen Vergangenheit konfrontiert. Mit Olivia Wilde, Eva Victor und Will Arnett ist der Film auch in den Nebenrollen durchaus prominent besetzt. Besonders die Idee, Alex’ Lebensgeschichte mithilfe unterschiedlicher Filmmusiken zu erzählen, ist außergewöhnlich und verleiht dem Film eine eigene Handschrift. Allerdings nimmt sich Gilroy mitunter selbst die emotionale Wirkung seiner Geschichte, indem er immer wieder in komödiantische Momente abdriftet. Natürlich lockert das die Stimmung im Kinosaal angenehm auf, aber dem Film geht dadurch etwas von seiner erzählerischen Wucht verloren. In den durchaus dramatischen Szenen hätte ich mir gewünscht, dass Gilroy konsequenter bei der Sache bleibt und den Momenten den nötigen Raum zum Atmen gibt, anstatt sie voreilig durch den nächsten Witz zu entschärfen.

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