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Geese

»Getting Killed«

Partisan Records

Die New Yorker Band Geese ist eine der Bands, denen die gesamte Musikszene an Lippen und Instrumenten hängt, weil sie so kreativ und progressiv klingen. Ihr letztes Album, »3D Country«, sorgte bereits für Aufsehen, aber ihr neues Album »Getting Killed« dürfte ihnen nun endgültig den Durchbruch gesichert haben. Was die Gruppe rund um den charismatischen Sänger Cameron Winter ausmacht, ist auf der einen Seite seine vielseitige Stimme und auf der anderen Seite sein Talent zu unkonventionellem Songwriting und dazu, unglaublich catchy Hymnen zu schreiben, wenn auch meistens erst aufs zweite oder dritte Hinhören. Gleich der Opening-Track »Trinidad« ist ein gutes Beispiel dafür. Wenig Lyrics, die viel Raum für Interpretation lassen, aber eines ist klar: Winter ist wütend auf die gegenwärtige Welt und ihre Herausforderungen und sieht als Antwort nur noch die gemeinsam mit JPEGMAFIA besungene »Bomb in My Car«. Musikalisch untermalt mit einer losen Bassline, lebendigem Gitarrenlärm und vielseitigem Schlagwerk. In der Ballade »Au Pays du Cocaine« besingt Winter den Kampf um eine Beziehung, an der er festhalten will, und appelliert an den Kompromiss, an Vertrauen und Änderungswille. Instrumentalisiert mit emotionalen Gitarrenmelodien, Piano und einem sich über den Song hinweg durchgehend steigernden Schlagzeug, das gegen Ende geradezu explodiert. Der Schlusstitel der Platte, »Long Island City Here I Come«, ist musikalisch der interessanteste Track. Auf einem schnellen Percussion-Beat, auf den alle anderen Instrumente einsteigen, breitet Winter seine Gedanken zu Religion, historischen Figuren und dem Sinn des Lebens aus. Geese schaffen es auf »Getting Killed«, die Hörenden durchgängig zum Staunen zu bringen. Bei jedem Mal Hören findet man neue Details im Text oder in der Musik und kann sein Bild zu diesem genialen Werk schärfen. Das Songwriting ist ein Bündel von kontrolliertem Wahnsinn, das an einigen Stellen ganz knapp davor ist, zu platzen. Es ist eines dieser Alben, bei denen man sich auch noch in einigen Jahren fragen wird, wie es noch immer so progressiv klingen kann. Geese zeigen, wie man 2025 die Welt sehen und sich aneignen muss, um zu bestehen, sind dabei radikal in ihrer Analyse, vergessen aber nicht die Liebe und andere Gefühle und wirken dabei so kraftvoll und selbstbewusst wie noch nie zuvor. 

Home / Rezensionen

Text
Adrian Malliga

Veröffentlichung
13.10.2025

Schlagwörter

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