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Festivaltagebuch 18. 10. / Tag 3

„Dandelion“
„Dandelion“ ist ein wunderschöner Erstlingsfilm von Mark Milgard. Ein langsamer, behutsamer Film über kaputte Familienverhältnisse und über das Erwachsenwerden. Ein Film der sich den Figuren nähert ohne zuviel über sie preiszugeben. Ein Film über Liebe und die daraus resultierende Ohnmacht.
Mason, der junge Protagonist des Films, legt sich ins selbstgebuddelte Grab, wie es ihm Noi im letztjährigen Viennale-Film „Noi Albinoi“ bereits vorgemacht hat, als sich dieser in sein dunkles Kellerloch zurückzog, um sich der Umwelt zu entziehen. Hier ist es die Flucht vor der dysfunktionalen Familie. Vor dem jähzornigen Vater, vor der tablettensüchtigen Mutter. Vor dem eigenen Zynismus. Vor der tödlichen Einöde des amerikanischen Landlebens.
Das Mädchen Danny, das auf einmal nebenan einzieht, verspricht einen kleinen Hoffnungsschimmer. „Love is what people create to feel better“, erklärt ihr Mason ein wenig altklug. Sie entgegnet läppisch: „That’s kind of weak“. Liebe die zerbrechlich ist und voller Schmerz und schwer in Worte zu fassen.

Mason, dessen Name ausgesprochen so ähnlich klingt wie „my son“, entpuppt sich nach einem schwerwiegenden Unfall, bei dem sein Vater einen Jungen überfährt, ganz als der Sohn seines Vaters. Er wird festgenommen, an des Vaters Stelle. Mason verrät das Geheimnis nicht und verbringt die nächsten zwei Jahre in einer Besserungsanstalt. Er kommt zurück zu seiner Familie, in sein altes Kinderzimmer. Mason trifft Danny wieder, sie verlieben sich ineinander. Langsam scheint ein wenig Ruhe einzukehren. Viele Worte werden dabei nicht gemacht, wie den ganzen Film hindurch auch nicht. Die Familie beginnt sich ansatzweise ihrer Liebe füreinander wieder bewusst zu werden, doch das Schicksal lässt ihnen keine Ruhe. Am Schluss sehen wir Mason seiner anfänglichen Todessehnsucht trotzen. Statt ins Wasser zu gehen, springt er auf einen Zug auf.
Eine großartige Besetzung und ein feiner Soundtrack (u.a. Cat Power und The Doves) zeichnen diesen Film aus.

„Dandelion“, heute um 20:30 im Gartenbaukino.


„Old Boy“
Oh Dae-Su, ein Geschäftsmann, wird gekidnapped und gefangen genommen. Er verbringt die nächsten Jahre in einem dunklen fensterlosen Einzimmerappartement.. Der Fernseher ist sein einziger Kontakt nach außen. 15 Jahre später wird er freigelassen. Er soll den Grund seiner Festnahme herausfinden. Verschwörungen und Manipulationen, denen der Protagonist auf der Spur ist. Inzestdrama und Rage and revenge. Explizite brutale Körperlichkeit. Nichts für schwache Mägen. Dieser Film erhielt bereits in Cannes den großen Preis der Jury.

„Old Boy“, heute um11.00 in der Urania.


Shortcuts:

„Touch the sound“ ist eine bemerkenswerte Dokumentation, welche die gehörlose Evelyne Glennie begleitet, die die Fähigkeit besitzt Schwingungen körperlich wahrzunehmen. Glennie ist Perkussionistin. Es geht um Wahrnehmungen.

Heute um 18:30 im Metro und morgen, am 19.10. um 23:30 in der Urania.


„Undertow“  ist ein Coming of age drama. Der Film von David Gordon Greene erzählt vom Kampf zweier Brüder gegen die brutale Gewalt des Vaters und um „die Erhaltung des kindlichen Raums gegen die Welt der Erwachsenen.“

Heute um 21:00 im Metro.

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Text
Sangam Sharma

Veröffentlichung
17.10.2004

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