Crossing Europe

Programmatisch-organisatorisches zur zweiten, wiederum von Christine Dollhofer verantworteten, Ausgabe des von 26. April bis 1. Mai 2005 in Linz stattfindenden Filmfestivals.

Crossing Europe geht nach dem erfolgreichen Start 2004 in die zweite Runde und macht mit qualitativem Programm und tollen Nebenveranstaltungen von sich reden. Es ist ein junges Festival mit überaus jungem Programm junger europäischer FilmemacherInnen. Das geringe Budget hindert Christine Dollhofer und Co. glücklicherweise nicht daran, ein kleines feines Festival abzuhalten.

Ingesamt gibt es an sechs Festivaltagen 150 Filme aus 30 Ländern in sechs verschiedenen Programmen zu sehen (inklusive jener Arbeiten aus den Kurzfilmprogrammen). Das macht schon jetzt Gusto. Für alle die in Linz wohnhaft sind, eigentlich ein Must. Alle übrigen Interessierten sollten ernsthaft einen Kurztrip zwischen 26. 4. und 1. 5. 2005 in Erwägung ziehen.

Einen der unbestrittenen Höhepunkte des Festivals stellt schon jetzt das Konzert von S.Y.P.H. dar. Die Band, die spätestens seit Teipels »Verschwende deine Jugend«
auch allen Zuspätgeborenen etwas sagt, wird komplett in Originalbesetzung antreten. S.Y.P.H., die einst in ihren Jugendtagen »Zurück zum Beton« skandierten. Punk aus dem Ruhrpott. Eine Band um Harry Rag. Dass Harry Rag auch Filmemacher ist, ist Altpunks wohl weniger bekannt. Crossing Europe hat Harry Rag – eigentlich Peter Braatz und Maja Weiss – ein Tribute gewidmet, welches Einblick in das filmische Schaffen der beiden gibt. Dass Braatz vom Punk kommt ist auch seinen Filmen anzusehen, beispielsweise begleitete er die Sex Pistols bei ihrer Reuniontour 1996. Mit der Zeit entwickelte Braatz ein eigenständiges filmisches Vokabular, welches auch Größen wie David Lynch und Wim Wenders, unter denen Braatz als Regieassistent arbeitete, imponierte. Die Werke seiner Frau Maja Weiss wurden mehrfach ausgezeichnet und sind ebenso bei Crossing Europe zu sehen. Die beiden werden auch anwesend sein und über ihre Filme sprechen.

Ein weiteres Special gebührt Corinna Schnitt, die bei Crossing Europe Artist in Residence ist. Alle bisherigen Film- und Videoarbeiten werden zu sehen sein, übrigens ebenso im Filmmuseum in Wien. Außerdem hat sie für das Festival eine Ausstellung konzipiert.

»Arbeitswelten« heißt eine von Kinoreal kuratierte Reihe, die bereits letztes Jahr ihren Auftakt erlebte. Heuer geht es um eine Untersuchung filmischer Darstellung von Kapital. Diskussionen werden diese Reihe begleiten.

In den Programmen »Wettbewerb europäisches Kino« und »Panorama Europa« sind vor allem junge Arbeiten europäischer RegisseurInnen zu sehen. Allesamt österreichische Erstaufführungen, stellen sie mitunter Erstlingswerke dar, in denen es oft um jugendliche Lebenswelten geht.
Eine glückliche Hand wurde bei der frühen Auswahl der Werke getroffen, einige der Arbeiten wurden bereits bei anderen Festivals ausgezeichnet.

Da bislang nur zwei Filme einen österreichischen Verleih haben (was sich hoffentlich im Laufe des Festivals noch ändern wird), ist fraglich ob man diese Perlen hierzulande noch mal zu sehen bekommt. Man sollte die Chance also nicht missen.

In der Reihe »Local Artists« sind Arbeiten oberösterreichischer Filmschaffender, vornehmlich von StudentInnen der Kunstuniversität Linz, zu sehen.
Die Kunstuniversität Linz hat auch die hervorragend besetzte Konferenz »Screening Science« organisiert, die ebenso im Rahmenprogramm von Crossing Europe stattfinden wird. Hier geht es um die Vernetzung von Wissenschaften (Stichwort Hard Sciences, Soft Sciences) und deren Einfluss auf popkulturelle Genres, sowie auf künstlerische Arbeiten.

Weiters macht das in Jihlava gegründete Projekt »East Silver Caravan« Station bei Crossing Europe. Eine notwendige Vernetzung und Austausch europäischer DokumentarfilmemacherInnen. Den Besuchern wird die Möglichkeit geboten, bisher gesammelte Arbeiten auf Video anzusehen.

Crossing Europe lockt also mit einem hochkarätigem Programm, moderaten Preisen und einer tollen Nightline!

www.crossingeurope.at