Beim slash Filmfestival gab’s für Genrefans heuer zwölf Tage Programm satt – von aktuellen Horror-, Science-Fiction- oder Fantasy-Streifen über fantastische Shorts bis zu US-amerikanischen Exploitation-Klassikern in der Retrospektive. Dabei kamen hartgesottene Blut-und-Beuschel-Lover ebenso auf ihre Kosten wie zartbesaitete Hasenfüße und alteingesessene slashies ebenso wie Kids ab 9 Jahren bei »My First Slash«. Unmöglich, alles zu sehen, aber wir haben uns wie immer alle Mühe gegeben und einige Empfehlungen – oder auch Warnhinweise – für die kommende Spooky Cinema Season für euch zusammengestellt.
»No Rest for the Wicked« (Kasper Kalle, DK/IS/FO 2026)
»Love Island«, Färöer-Edition. Mit wilder Landschaft, verhärmten Gesichtern, wenigen Worten und viel Nebel. Das Ganze angesiedelt im 19. Jahrhundert und basierend auf der Kurzgeschichte »Manor« von Karl Heinrich Ulrichs aus 1884. Der heimische Fischer Baldur (Egor Venned) gabelt den gestrandeten Seefahrer Helge (Pilou Asbæk) auf und zwischen den beiden höchst ungleichen Männern – hier ein junger Färöer, reserviert und unerfahren, dort ein dänischer Freigeist, charmant und weltgewandt – entwickelt sich eine leidenschaftliche Romanze, bei der Baldurs Mutter (Sofia Nolsøe) nur neidisch zuschauen kann.
Als Baldur mit Helge auf einem Schiff anheuern und die Insel verlassen will, überredet sie ihn, zu bleiben – und rettet ihm damit das Leben. Helge dagegen wird nach einem Sturm leblos ans Ufer gespült und Baldur versinkt in tiefer Trauer. Sein Wunsch, Helge möge zu ihm zurückkehren, erfüllt sich anders als gedacht und stürzt die Dorfgemeinschaft nicht nur in eine Glaubenskrise, sondern auch ins Unglück, bis sie den Wunsch der Liebenden erfüllt und sie gemeinsam zur letzten Ruhe bettet.
»No Rest for the Wicked« wurde als Österreichpremiere beim slash präsentiert – in Anwesenheit von Regisseur Kasper Kalle, Produzent Lars Bredo Rahbek und Schauspieler Pilou Asbæk, bekannt unter anderem als Piratenkönig Euron Greyjoy aus der HBO-Serie »Game of Thrones« – und vom Publikum höchst wohlwollend aufgenommen. Trotz einiger Schockeffekte und düsterer Stimmung steht die Romantik bei der Geschichte im Vordergrund und trotz des bitteren Schicksals gibt es für die »Gottlosen« letztlich ein Happy End.
»Colony« (Yeon Sang-ho, KR 2026)
Schnell, brutal und gefräßig: So lieben wir unsere Untoten. Umso mehr, wenn sie dank Hive-Mind auch lernfähig und damit zunehmend gefährlich sind. Der koreanische Regisseur Yeon Sang-ho ist seit seiner »Train to Busan«-Trilogie anerkannter Meister in Sachen Zombieapokalypse. Seine Filme zeichnen sich durch rasante Action, blutigen Horror und maximale Spannung ebenso aus wie durch emotionale Dramen, moralische Abgründe und bittere Gesellschaftskritik.
In »Colony« rächt sich der Ex-Mitarbeiter einer Biotech-Firma an seinem Chef, indem er ein Killervirus auf die Besucher*innen eines Konferenzzentrums und Shopping-Centers loslässt. Das Besondere daran: Die Infizierten entwickeln ein kollektives Bewusstsein und die Fähigkeit, miteinander zu kommunizieren und voneinander zu lernen. Wer dabei Assoziationen zu künstlicher Intelligenz hat, liegt richtig, denn der Regisseur begründet die Idee zum Film mit der aktuellen technischen Entwicklung und der Gefahr, die davon für uns Menschen ausgeht. Seine Zombies sammeln Daten, lernen in Echtzeit aus ihren Fehlern und steuern im Netzwerk ihre Angriffe.
Das gibt jede Menge Material für grausige Ästhetik und die perfekt choreografierten Massenszenen, für die Yeon Sang-ho bekannt ist. Und es bringt frischen Wind in ein Horrorgenre, in dem fast alles schon mal da war. Kurzum: »Colony« sorgt für 123 Minuten ungetrübte Unterhaltung mit runder Dramaturgie und kathartischem Ende. (Anders als Na Hong-jins »Hope«, das nach einem starken Auftakt als mystisches Creature-Feature zum Ende hin leider den Fokus verliert und in seichte Sci-Fi mit offenem Ausgang abgleitet.)
»Bloody Tennis« (Nikias Chryssos, DE 2026)
Die junge Amerikanerin Sophie (Sandra Guldberg Kampp) schafft es an eine renommierte Tennisakademie im Süden Europas. Schon bei ihrer Ankunft zeigt sich, dass das kein gemütlicher Aufenthalt wird: Der Hausdiener ist ein Creep, die Schulleiterin ein Drache, der Trainer ein Ungustl und die Mitschülerinnen ehrgeizige kleine Biester, die Sophie von Anfang an das Leben schwermachen – mit Ausnahme von Zimmergenossin Heidi (Helena Zengel) und Love-Interest Bana (Tracy Gotoas).
Doch »Survival of the Fittest« ist hier mehr als eine bloße Worthülse: Wer verliert, muss gehen und kommt weder zurück noch irgendwo an, Tennistalente werden weniger verheizt als verwurstet, und was ist eigentlich in dem grauslichen Breakfast-Drink, den die Schülerinnen jeden Morgen in sich hineinschütten? Sophie passt sich trotz der widrigen Umstände an und spielt sich auf dem Weg nach Wimbledon immer weiter an die Spitze, verliert zunehmend Skrupel und Freundinnen und meistert schließlich ihre eigenen Meister*innen.
Soweit ein solider Plot für eine queere Horror-Coming-of-Age-Geschichte im Sportumfeld, doch der Film läuft sich nicht warm. Das liegt zum Teil an der mangelnden Chemie der Schauspieler*innen und der comichaften Bösartigkeit des Schulpersonals – Kritik an sadistischen Trainingsmethoden hätte subtiler ausfallen können –, vor allem aber am »Look & Feel« der Produktion, die eher an ein Fernsehspiel erinnert als an einen Kinofilm. Nicht einmal der Soundtrack von Jim Williams, der die Filme von Julia Ducournau stimmig vertonte, täuscht darüber hinweg, dass Nikias Chryssos »Bloody Tennis« in den Sand gesetzt hat.











