Thirsty Eyes © Xenia Snapiro

»Das Ding klingt ganz bewusst etwas eigen«

Philipp Moosbrugger und Samuel Ebner von Thirsty Eyes erzählen von der Entstehung ihres Debütalbums, musikalischen Einflüssen und der Umsetzung ihrer Musik im Live-Kontext. Ein Interview via WhatsApp während ihrer Tour.

Die Wiener Band Thirsty Eyes veröffentlichte Ende März 2022 ihr Debütalbum »A Certain Regard«, das von Kritiker*innen durchwegs gute Rezensionen erhielt. Es klingt nach Post-Punk, grobem Country und Surfrock – alles mit ein wenig Humor und Wahnsinn. Der Entstehungsprozess selbst war allerdings eine große Herausforderung für den Produzenten Philipp Moosbrugger, der vieles neu lernen musste und eine DIY-Haltung zur Musik eingenommen hat. Auch erzählen die Musiker von ihrer Tour quer durch Westeuropa und von musikalischen Einflüssen, die schon etwas älter sind. Die Fragen beantworten, während sie auf Tour sind, per WhatsApp Samuel Ebner, Sänger und Gitarrist der Band, und Philipp Moosbrugger, der Produzent ist, aber auch Gitarre und Console-Steel-Guitar in Live-Settings und auf dem Album spielt.

skug: Woher kommt euer Bandname?

Samuel Ebner (SE): Von uns natürlich! Es gibt keinen speziellen Grund für den Namen. Aber er fühlt sich immer besser an.

Wie gestaltete sich der Produktionsprozess des Albums?

SE: Fünf verschiedene Studios, immer wieder neues Line-up, nie der richtige Schlagzeuger, und vor allem keine genaue Vorstellung von dem, wie das Album zu klingen hat. Fails und Fails und Fails. Kristof Hahn (Swans) wollte das Album produzieren. Es gab dann eine Aufnahmesession in Berlin (Rauchhaus) und eine in Wien bei Klaus Gstettner. Hat aber auch nichts gebracht.  Irgendwann sind wir draufgekommen, dass es für uns am besten funktioniert, alles selbst zu machen. Im Kellerstudio vom Philipp. Dort haben wir schlussendlich das Album aufgenommen, mit Philipp als Produzenten. Gemischt wurde es im gleichen Keller von Andreas, Philipp und Samuel. Haben bei einigen Songs viele unterschiedliche Versionen aufnehmen müssen, bis es sich richtig angefühlt hat. Wir haben sehr oft von vorne angefangen.

Thirsty Eyes © Xenia Snapiro

Philipp Moosbrugger (PM): Es gibt einen nicht unerheblichen Teil der Produktion, den ich letztendlich im Alleingang gemacht habe, viele Gitarren- und Bass-Einspielungen, die Steel-Guitar-Parts und was weiß ich – ich kam hier ein wenig wie die Jungfrau zum Kind und trat mir eine sehr weitgefasste Produzentenrolle ein, die bei weitem nicht nur technischer Natur war. Wir wollten die Platte ursprünglich weder selbst mischen und schon gar nicht selbst mastern, letztendlich haben Andreas Hellweger und ich aber all das selbst gemacht – die Arbeit der zuvor engagierten Tontechniker war uns einfach nicht lustig genug, beziehungsweise entstand im Arbeitsprozess eine sehr konkrete Vorstellung, die wir dann auch selbst am besten umsetzen konnten. Die Vision für den Album-Sound und so Sachen, da merkt man dann auch, dass wir nicht einfach ein Rock-Album machen wollten – das Ding klingt ja ganz bewusst etwas eigen.

Hat der mühsame Weg zum fertigen Album mehr gebracht, als er Nerven gekostet hat?

SE: Die Frage versteh ich nicht ganz. Hätte es sich nicht ausgezahlt, dann wären wir wahrscheinlich noch immer unzufrieden und würden weiter daran arbeiten. Also ja, wir haben viel lernen dürfen und sind sehr glücklich über das Ergebnis. Der Rest wird sich zeigen.

Wenn das Album ein Film wäre, wie würde der aussehen, um was würde es gehen?

SE: Ein bunter Coming-of-age-Film von Almodovar und Sorentino. Color-Grading von Gaspar Noe.

Thirsty Eyes © Xenia Snapiro

Welche Künstler*innen haben die Musik auf dem Album am meisten inspiriert?

SE: Wir natürlich!

PM: Unser Album orientiert sich eher an J.J. Cale, Lee Hazelwood oder den Latin Playboys als an aktuellem Rock, aber ohne dabei altmodisch zu sein. Da kommt dann auch eher mein Jazz-Background zur Geltung, bei der Klangästhetik und beim musikalischen Konfetti, den »lustigen« Melodien, den etwas manischen Arrangements. Da ergänzen Samuel und ich uns sehr schön, also seine musikalische Sozialisierung und meine sind ursprünglich doch etwas unterschiedlich, aber gerade das macht die Zusammenarbeit und das gemeinsame Songwriting in diesem Fall extra spannend, und ich kann hier einen Teil von mir ausleben, der in meinen Jazzbands eher keinen Platz findet.

Ihr seid ja gerade auf Tour. Welche Songs funktionieren besonders gut live und warum? Wie unterscheiden sich die Live-Versionen von den Studioaufnahmen?

SE: Live ist der Schmäh unserer Musik vielleicht eindeutiger zu erkennen.  Alle Songs funktionieren gut, wenn wir Spaß haben.

PM: Wir gehen übrigens Anfang Juni mit Nick Waterhouse auf Deutschland-Tour und haben erst seit ca. einem Monat wieder ein gut funktionierendes Line-up – mit neuer Drummerin (Jenny Gitschner), neuer zweiter Gitarre (Laurin Bösch) und neuem Bassisten (Franz Bösherz). Die neue Besetzung ist super und spielt unsere Musik endlich mit der nötigen Portion Wahnsinn, ohne dabei nur laut zu sein oder auf einen gewissen Humor zu vergessen.