Die Neville Brothers betreten die Bühne, first line, wie immer, von links nach rechts: Cyril an den Percussions, diese umwickelt mit einem Indianermotivtuch; Aaron, Gesang, wunderbare Tattoos (kein modischer Ethno-Schnickschnack) auf dem muskulösen Körper; Charles, Saxofon; Art an der schönen, alten Hammondorgel. Dahinter, second line, Drums, Bass, nochmals Orgel, zwei Gitarren, eine davon sichtlich von einem Neville jüngerer Generation gespielt. Die Band ist einer gewissen Tradition verpflichtet: R&B, Soul, Funk, Jazz, gelegentlich ein Schuss Reggae oder Rock – das alles natürlich in der unvergleichlichen Klangfarbe der Stadt im Süden der USA, dem Brückenkopf zur Karibik (und zu Afrika). Die Neville Brothers gehören mit Allen Toussaint, Professor Longhair und Dr. John, um ein paar besonders illustre Namen zu nennen, zu den Protagonisten der musikalischen Geschichte der Stadt New Orleans. Und sie sind, wie sie beim Konzert beweisen, noch recht vital. Keinem von ihnen würde man sein Alter annähernd ansehen bzw. anhören. Aaron brilliert noch immer in seinem bekannt hohen Falsett, Charles bläst sein Saxofon, als wäre er in seinen besten Jahren – was er vielleicht ja auch immer noch ist. Es ist schon mehr als erstaunlich, mit welcher Kraft diese Band, die seit Mitte der 50er Jahre ihre Hits in diversen Familien-Clan-Variationen (z.B. als Funky Meters), solo und für diverse lokale Stars ins French Quarter und in die Hitparaden brachte, ihre altbewährten Songs nach wie vor über die Bühne bringt: »Fire on the Bayou« eröffnet den Reigen großer Hits, den sie wohl über Stunden fortsetzen könnten. »Tell It Like It Is«, »Yellow Moon«, »Amazing Grace« oder »Bird on a Wire« folgen – ja, selbst der alte Cohen-Song reiht sich nahtlos in ihren original fonk ein, sie könnten jedem x-beliebigen Song die Farbe und den Groove von Crescent City, The Big Easy geben. Ein Stück Musikgeschichte war in Wien zu Besuch. Magisch, extrem funky und äußerst lebendig.


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