Allein die Pluralform im Namen des Positive Futures Festivals sagt viel aus: Es gibt nicht die eine Zukunft, sondern – wenn man so will – mehrere Zukünfte. Wer wollte schließlich behaupten, was richtig und was falsch ist, wer belehren, wer festlegen? Verstehen ist an dieser Stelle wohl generell zu suspendieren: Denn es gibt hier im Grunde nichts zu verstehen, dafür doch eine gehörige Dosis zu fühlen. Fühlen: Auf keinen Fall zu verwechseln mit Gefühligkeit, die das Einlullen zum Zweck hat. Ganz im Gegenteil: Dieses Festival will verändern. Und das nicht mit einem grundlegenden, überstürzten Putschversuch gegen die unerträglich gewordenen Verhältnisse im Spätkapitalismus, der gerade weltweit in faschistoider Form seine allerhässlichste Fratze zeigt. Gewollt hingegen: Veränderung bei einem selbst, der eigenen Empathie, der Aufgeschlossenheit gegenüber Unbekanntem und Fremdem. Dass sich Musik als Kunstform dazu eignet, daran zu arbeiten und sich an dieser Art von Offenheit zu erproben, liegt nun wahrlich auf der Hand.

Transformation hin zur Offenheit
So gesehen setzt das Positive Futures Festival im vermeintlich heiligen, in Wahrheit aber doch reichlich bornierten und von Traditionalismus verhunzten Land Tirol nicht nur auf die Veränderung des Einzelnen, sondern auf das Kollektiv. Die Transformation hin zu mehr Offenheit mag beim Einzelnen bei einer außergewöhnlichen Konzerterfahrung beginnen, noch kraftvoller wird die Sache aber, wenn diese Erfahrungen geteilt werden und sich schließlich Allianzen bilden. Was braucht es dazu? Die Fähigkeit zuzuhören, leer zu werden, sich einzulassen. Auf Erfahrungen. Auf nue Namen. Auch neue Acts. Auf ungewohnte Begegnungen. So bietet Positive Futures weitestgehend keine übergroßen Namen auf, die sich als Zugpferde anbieten würden. Es geht um das große Ganze. Es geht um alles. Mithin auch darum, möglichst viele Konzerte zu rezipieren, um sich ausführlich einzuüben und verändert herauszukommen.

Namen auf dem Weg zur absoluten Empathie
Da wir aber – noch – im Zeitalter der Namen leben, nicht der empathievollen Musik-Energieflüssen, bei denen eine Autorschaft in gewisser Weise obsolet geworden ist, gilt es dennoch ein paar Namen einzustreuen: Da wäre etwa Maria W. Horn, die am Donnerstag, dem 16. Oktober bereits die Bühne in der P.M.K. entert und ihre Auslegung von dunklem Folk darlegt. Dann wären da natürlich noch These New Puritans, die am Freitag, dem 24. Oktober wiederum fast zum Ende des Festivals im Treibhaus konzertieren. Dazwischen Namen wie: Rokia Kone aus Mali und Sara Parkman aus Schweden. Es wird ein vergnügliches Einüben in Empathie und in die Suspension der eigenen Meinung, die letztlich Grenzen aufbaut, die es niederzureißen gilt.











