Fluxus-Soundspuren im MUMOK

Zur Ausstellung »Cage & Fluxus« im Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig in Wien.

Wie die Potenziale eines musealen Speichers aktiv an Themenfelder angebunden werden können, die gewöhnlich an den Peripherien der klassischen Sammlungstätigkeit liegen, führt das Museum Moderner Kunst in Wien zunehmend vor. Dazu tragen auch Andockmanöver in den Außenraum wie Sigrun Appelts dramaturgisch konzipierte Scheinwerferinstallation 68.719.476.736 im Hof des Museumsquartiers oder das jüngst im Hof 8 eingegrabene Audio-Video »Underground Chamber« Bruce Naumans bei. Tendenziell geht es um logische
Erweiterungen des Nukleus der Bestände, deren Detailaspekte so in unterschiedlichen Gewichtungen in die aktuelle Präsentationsmaschine eingebracht werden können.

Dieser Leitgedanke führte auch zu einer Kooperation des Museums mit dem Festival Wien Modern. Die Ausstellung »Cage und Fluxus« erscheint als logische Erweiterung beider Institutionen, da sie die zentrale Ikone der einen mit einem Kernfeld der Sammlung der anderen plausibel vernetzt. Immerhin fungieren die amerikanische Nachkriegsavantgarde, Pop Art, Fluxus und Noveau Realisme identitätsprägend im MUMOK. Der temporäre Einzug der Entwürfe und Perspektiven von John Cage gleicht nun dem »Werfen von Klang in die Stille³« (Cage 1950 an Pierre Boulez über seine Kompositionsweise) des Museumsraums.

Manuskripte, Partituren, Skizzen und Fotografien eröffnen Einblicke in das hochaktive, kommunikative Feld im New York der 1950er Jahre, wo Musik, Architektur, Malerei, Tanz und Medienkunst einander gegenseitig aufgeladen haben und zur wechselweisen Kontextualisierung beigetragen haben. Mit Rekurs auf Dadaismus und Futurismus generierte sich Fluxus als intermediale und audiovisuelle Kunstform. Viele Protagonisten der damaligen Szene besuchten an der New Yorker School for Social Research die Kurse von John Cage, der
bereits am Black Mountain College mit seinen Konzeptionen von Stille und Zufall nachhaltigen Einfluss ausgeübt hatte: Unter den Teilnehmern befanden sich Al Hansen, Dick Higgins, George Brecht, Toshi Ichiyanagi oder Allan Kaprow. Selbstverständlich reichte das faszinierende Netzwerk wesentlich weiter und führte vor allem Merce Cunningham, Nam June Paik und Charlotte Mooreman zusammen. Cage selbst als Hauptinitiator der Bewegung publizierte bereits Jahre davor gemeinsam mit den Vertretern des abstrakten Expressionismus und gründete beispielsweise mit Robert Motherwell und dem bedeutenden Kunstkritiker Harold Rosenberg 1948 die Zeitschrift »Possibilities«. Von den ideellen Perspektiven von Cage wiederum lassen sich Äquivalente zu den All-Over-Strukturen in der Malerei Jackson Pollocks finden, als sich sowohl die Bildende Kunst wie auch die Musik von traditionellen und relationalen Kompositionsmustern ablösten und den Zufall einzubeziehen begannen.

Als Konzentrat dieser in die Weiten der Unendlichkeit der Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts führenden Aufbruchszeit lässt sich diese Ausstellung im MUMOK lesen. Gleichsam aus dem medialen Container von DVDs abrufbar sind dort auch jene Produktionen, die soeben im Kinoformat im Rahmen des John Cage Filmfestivals im Österreichischen Filmmuseum gebracht wurden.

Bis 31. Januar 2005 im Museum Moderner Kunst, Museumsquartier Wien.
www.mumok.at