Colter Wall ist gegenwärtig einer der größten Stars der Country- und Western-Musik. Der 30-jährige Kanadier aus der Provinz Saskatchewan legte es aber nicht darauf an, man kann leicht den Eindruck gewinnen, dass er den Erfolg eher als nervige Nebenerscheinung wahrnimmt. Denn Wall lebt genau das, was er besingt: Er ist tatsächlich ein Cowboy in der Prärie, mit allem, was dazugehört; harte landwirtschaftliche Arbeit mit Kühen und Pferden, Cowboyhüte, Chaps, kein Internetempfang und Dreck unter den Fingernägeln. Diesen Lebensstil müsste er nicht pflegen, Wall ist in Nordamerika, vor allem nach dem Erfolg seiner 2018 erschienen EP »Imaginary Appalachia«, absolut durchgestartet. Nach einem Hinweis auf seine Musik von Wrestling-Legende Brock Lesnar in einem Interview und einem Feature seiner Songs in mehreren zeitgenössischen Western-Filmen wie zum Beispiel »Three Billboards Outside Ebbing, Missouri« oder in der Erfolgsserie »Yellowstone« erreichte sein Song »Sleeping on the Blacktop« über 350 Millionen Streams auf Spotify. Dennoch lebt Wall abgeschieden auf Ranches und gibt kaum Interviews. Auch Einladungen von Podcast-Giganten Joe Rogan schlug er, sympathischerweise, immer wieder aus. Und wenn der Musiker auf Tour geht, bespielt er nicht nur Großstädte und Stadien, sondern mehrheitlich abgelegenere, kleinere Venues in ländlichen Gebieten. Auf seinem neuen Album »Memories and Empties« spielt Colter Wall seine Stärken gekonnt aus. Hört man seine Musik, ist man vorrangig beeindruckt von seiner Baritonstimme und lässt sich vom Westernzauber mit seiner üblichen Instrumentation (Akustikgitarre, Pedal Steel, Fiddle, Kontrabass und gebrushte Drums) vereinnahmen. Man ist auch tatsächlich erinnert an Genregrößen wie Johnny Cash, Willie Nelson oder Townes Van Zandt, was gerade in so einem engen Genre, wo es auf die Details und das Herz ankommt, schwer ist. Auf dem Opener des Albums »1800 Miles« thematisiert Wall seinen Zugang zum Musik-Business, nämlich, dass es ihn nicht interessiert und Authentizität der wichtigste Wert in seiner Musik ist. Wall hatte in seinen vergangenen Veröffentlichungen auch immer wieder Covers und Classics gespielt, auf diesem sind nur eigene Kompositionen. Besonders gelungen ist der Song »Like the Hills«, in dem Metaphern zu Jahreszeiten und der Natur auf romantische Gefühle umgemünzt werden. Colter Wall schickt mit »Memories and Empties« einen weiteren Prototypen eines perfekten Western-Albums in die Welt, ohne jegliche Absicht, einen Hit zu schreiben, sondern erzählt auf eloquente Art und Weise aus seinem Prärieleben in Saskatchewan. Die einzelnen Songs auf dem Album sind auch gar nicht so relevant, die Perfektion kommt vielmehr aus dem Zusammenspiel der Themen am Album, seiner Authentizität und seinem Traditionsbewusstsein.
Colter Wall
»Memories and Empties«
Black Hole Music
Unterstütze uns mit deiner Spende
skug ist ein unabhängiges Non-Profit-Magazin. Unterstütze unsere journalistische Arbeit mit einer Spende an den Empfänger: Verein zur Förderung von Subkultur, Verwendungszweck: skug Spende, IBAN: AT80 1100 0034 8351 7300, BIC: BKAUATWW, Bank Austria. Vielen Dank!











