Szenenbild »No Good Men« © Viennale
Szenenbild »No Good Men« © Viennale

»There are no good men in Afghanistan«

In »No Good Men« erzählt Regisseurin Sharbanoon Sadat die Geschichte einer jungen Afghanin in den Tagen vor der Machtübernahme durch die Taliban 2021. Die Österreichpremiere des Films war bei der diesjährigen Viennale zu sehen.

Afghanistan im Sommer 2021. Die 25-jährige Naru arbeitet als Kamerafrau bei Kabul News, kümmert sich um ihren kleinen Sohn und lebt getrennt von ihrem Ehemann, denn: »There are no good men in Afghanistan.« Beruflich wie privat versucht sie, sich gegen das patriarchale System zu behaupten, das ihren Alltag bestimmt: Der Senderchef nimmt sie nicht ernst und schanzt ihr nur belanglose »Frauenthemen« zu; der Ex versucht sie zu sich zurückzuholen und benutzt das gemeinsame Kind als Druckmittel; ein Taliban-Anführer bricht ein Interview ab, als ihr Kopftuch verrutscht, und der Journalist Qodrat gibt ihr die Schuld daran. Wohin man auch schaut: Männer haben in der Gesellschaft das Sagen, Männer sitzen an den Hebeln der Macht und Männer bestimmen über das Schicksal des Landes – aber vor allem über das Schicksal und Leben der afghanischen Frauen.

Dabei fühlt sich jeder erfolgreiche Widerstand wie ein Schritt in eine bessere Zukunft an, etwa als Naru mit Qodrat im »Männer«-Teil eines Cafés platziert wird statt im »Familien«-Hinterzimmer oder als sie Wachen dazu bringt, ihre Tasche zu durchsuchen, weil auch Frauen Terroristinnen sein könn(t)en. Doch die mühsam errungenen Gewinne geraten ins Wanken, als Ende August 2021 das US-Militär das Land verlässt und die Taliban wieder an die Macht kommen. Zugleich steckt Naru im Dilemma zwischen einer aufkeimenden Romanze mit Qodrat und dem Wissen, dass zuhause Frau und Kinder auf ihn warten, weshalb sie schließlich den Kontakt zu ihm abbricht und sich in ihre Rolle fügt. Dennoch beweist Qodrat am Ende des Films, mitten im Chaos um die letzten Flüge in den Westen, dass es vielleicht doch noch ein paar gute Männer in Afghanistan gibt.

Die afghanische Regisseurin Sharbanoon Sadat floh selbst 2021 vor den Taliban nach Deutschland, wo dieser Film gedreht wurde, und übernimmt die Hauptrolle an der Seite des Schauspielers Anwar Hashimi, mit dem sie bereits bei früheren Projekten zusammengearbeitet hat. Angesichts der Entwicklung in Afghanistan in den letzten fünf Jahren, größtenteils unter dem Radar der westlichen Medien, ist eine weibliche Stimme, die die Geschehnisse aus erster Hand kennt, immens wichtig. Sadat erzählt diese Geschichte mit autobiografischen Zügen, subtilem Humor und Wehmut nach einer Heimat, die verloren scheint – aber nicht ohne Hoffnung, dass kommende Generationen eine Veränderung bewirken können.

Link: https://www.viennale.at/de/film/no-good-men 

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