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Forbidden

»Forbidden«

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Forbidden hatten nie die Reichweite von Slayer, Anthrax, Megadeth oder gar Metallica, also von den sogenannten »Big Four« des US-amerikanischen Thrash Metal. Dennoch konnte der Band aus der Bay Area zu ihren besten Zeiten kaum jemand das Wasser reichen. Das energiegeladene Debüt »Forbidden Evil« (1988) gilt als Kultalbum. Der Nachfolger »Twisted Into Form« (1990) ist wohl der kreative Höhepunkt der Diskografie – unheilvolle Atmosphäre, vertrackte Strukturen und bissige Lyrics mit der klassischen Sozialkritik der späten 1980er, sprich: Individualität versus Gesellschaft. Sänger Russ Anderson war seinerzeit in Bestform. Seine Vocals waren ruppig und melodisch zugleich, manchmal theatralisch und immer beeindruckend wendig. Mit dem Album »Distortion« verpasste die Band ihrem Sound 1994 ein Update und wurde langsamer, grooviger – ohne jedoch an musikalischer Durchschlagskraft zu verlieren. Das war ein seltenes Kunststück: Peers wie Flotsam & Jetsam oder Demolition Hammer waren mit vergleichbaren Vorhaben musikalisch beliebig geworden. Trotzdem wurde das Album kein Verkaufserfolg. »Distortion« war sperrig, verlangte nach Beschäftigung – während die Groove-Metal-Aufsteiger Machine Head mit ihrem MTV-Hit »Davidian« die Crossover-Discos zum Beben brachten. Deren Frontmann Robb Flynn hatte seine Karriere einst bei Forbidden begonnen. Nun waren die früheren Kollegen weit abgehängt – sie gehörten zum alten Eisen. Als sich die Band in den 2000ern schließlich reformierte, bespielte sie Festivals mit dem beliebten Material aus ihrer Frühzeit und brachte das Retro-Album »Omega Wave« (2010) heraus. Russ Anderson wirkt auf Videomaterial aus dieser Zeit angeschlagen. Heute befindet sich der Sänger nach einer überwundenen Suchterkrankung im Ruhestand. Gitarrist Craig Locicero ist im Rahmen der zweiten Reaktivierung das letzte verbliebene Originalmitglied. In die übergroßen Fußstapfen von Anderson tritt Norman Skinner, der mit dem Slogan »The Metal Chameleon« für seine Dienste wirbt. So klingt er auch: fraglos kompetent, aber zu anpassungsfähig, um eigene Akzente zu setzen. Immerhin Lociceros Präsenz erinnert in puncto Riffs und Songwriting mitunter daran, welcher Bandname hier wiederbelebt wurde. Etwas Fantasie braucht man trotzdem. Wie schon die unruhige, übertriebene Covergestaltung von Beto Ferris (Berufsbezeichnung: »Digital Illustrator«) vermuten lässt, mangelt es der neuen Musik dieser »Reunion« an Atmosphäre. Der Sound erinnert an das immer etwas zu wuchtig produzierte Spätwerk von Judas Priest – modern, aber generisch. Im Zweifelsfall tut das niemandem weh: Nostalgie für exzellenten Thrash aus der zweiten Reihe ist sympathisch und hat ein Publikum, insbesondere auf dem Live-Sektor. Wenn es Locicero gelingt, ein halbwegs stabiles Line-up für mehrere Festival-Saisons zu halten, hat der Name Forbidden in der aktuellen Form sein Soll erfüllt. Mein frommer Wunsch ist unterdessen, dass eine Neuauflage von »Distortion« erscheint: Das Album ist seit etlichen Jahren vergriffen und nicht einmal auf Streaming-Plattformen präsent.

Home / Rezensionen

Text
Kai Ginkel

Veröffentlichung
26.10.2026

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