© Sue Kwon
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Anfang Jänner veröffentlicht 21 Savage den Trailer zum autobiografischen Spielfilm »American Dream«. Kurze Zeit später folgte das gleichnamige Album. Der Soundtrack zum Film und zu seiner Person.

Das Album »American Dream« beginnt mit einem Prolog, gesprochen von einer sanften Frauenstimme mit unverkennbar britischem Akzent – der Stimme von Heather Carmillia Joseph, der Mutter von Shéyaa Bin Abraham-Joseph aka 21 Savage. Es ist ein ergreifender Monolog über die Herausforderungen, denen sie bei der Auswanderung von UK nach US gegenüberstand, über die Intentionen dahinter, über den treibenden Wunsch, ihrem Sohn eine sichere und erfolgreiche Zukunft zu ermöglichen. Trotz Rückschlägen, Verlusten und Gerichtsverfahren ist für sie die Zeit gekommen, sich zufrieden zurückzulehnen. Denn 21 Savage schreibt amerikanische Geschichte.

Beyond the crossing of a pond

Der 4. Juli, Independence Day, wird jährlich in Gedenken an die 1776 erklärte Unabhängigkeit der USA von den britischen Kolonien gefeiert. Dass 21 Savage diesen Tag für den Release seines autobiografischen Spielfilms wählte, ist kein Zufall, sondern vielmehr als ironische Antwort auf die Diskussionen über seine Herkunft zu verstehen. Die meisten Fans waren davon ausgegangen, der Rapper würde aus Atlanta, Georgia stammen, sei in der Hood aufgewachsen und seine Glaubwürdigkeit wäre ihm dadurch in die Wiege gelegt worden. Als er aber 2019 wegen fehlender Aufenthaltserlaubnis verhaftet wurde und ihm eine zehnjährige Verbannung aus den Staaten drohte, war die Entrüstung groß. Seit 2023 sind die Verhandlungen jedoch zu seinen Gunsten beendet. Der Rapper scheint (zurecht) genug von dem Thema zu haben. 

Auf »American Dream« stellt 21 Savage mehr als nur einmal klar, wo seine Heimat ist, wo er großgezogen wurde und aufgewachsen ist. Da ist zum Beispiel das Musikvideo zu »Redrum«, das mit einem satirischen Einspieler über englische Hochkultur beginnt, bevor ein harter Drop den Track einleitet und 21 Savage in klassischer Gangster-Rap-Manier in einer Gruppe von Hoodies und Daunenjacken steht. Dazu gibt es immer wieder Lines wie »I grew up on the East, no cap / Green card, green tips in the strap / Keep talkin’ ’bout where I was born / Like a n**** wanna still get clapped« aus dem Doja-Cat-Feature »N.H.I.E.« oder die Hook »I grew up on the Eastside where it’s dangerous (facts)«, die den Track »Dangerous« mit Metro Boomin eindrucksvoll beendet.

Von Niederlagen zur Auferstehung

21 Savage behandelt in »American Dream« aber auch weitere prägende Erlebnisse seiner Biografie. Nach der Scheidung seiner Eltern sollte der Neuanfang in Atlanta ihm eine sichere Zukunft gewähren, doch bis dahin befand er sich auf einem lebensgefährlichen Weg. Er wurde von mehreren Schulen verwiesen, schloss sich kriminellen Banden an und dealte mit Drogen. Gangfights und Raubüberfälle bestimmten den aussichtslos scheinenden Alltag. Er verlor seinen Halbbruder bei einer Schießerei und wurde selbst an seinem 21. Geburtstag sechsmal angeschossen. Sein bester Freund überlebte diesen Tag nicht. 

Tragische Ereignisse wie diese leiten den Niedergang unzähliger Jugendlicher ein, die ihr Dasein als Ausgestoßene einer diskriminierenden Gesellschaft fristen. 21 Savage ist eine Ausnahme. Für ihn bedeutete sein Geburtstag eine Kehrtwende. Durch die finanzielle Unterstützung eines Angehörigen konnte er sich die Aufnahme seines ersten Tapes namens »The Slaughter Tape« leisten und machte sich damit einen Namen in der Untergrund-Trap-Szene. In den letzten zehn Jahren arbeitete er sich kontinuierlich an die Spitze und generierte allgemeine Aufmerksamkeit durch Kollaborationen mit Metro Boomin und Drake.

Master of ad-libs

Während seine ersten Releases von düsteren Lyrics und heavy Trap Beats geprägt waren, stimmt 21 Savage auf seinem neuen Album sanftere Töne an. Samples aus Soul und R’n’B -Stücken kreieren tiefgehende Tonkorpi und bieten Raum für bedeutsames Storytelling. Es ist eine interessante Entscheidung, den Soundtrack zum Film Monate vor dem Kinostart zu veröffentlichen. Hört man das Album, stellt man sich vor, wie die Szenen zu den jeweiligen Tracks aussehen werden, welches Kapitel seiner Geschichte dazu erzählt wird, und freut sich umso mehr auf das, was kommt. Ein durchdachtes Konzept, wie man es von dem Rapper gewohnt ist. Denn seit Anbeginn seiner Karriere überlässt er nichts dem Zufall. 

21 Savage beweist Geschäftssinn, ein Gespür für Timing und Marketing und gibt sein Wissen an seine Community weiter. Er rief mehrere soziale Projekte ins Leben und bietet unter anderem Finanzierungspläne und Stipendien für Schüler*innen und Student*innen an. Von seinem Auftritt in der »Freshman Cypher« im Jahr 2016 bis zur vierfachen Nummer 1 der Billboard Album Charts: 21 Savage ist der American Dream. Doch statt die Ellbogen auszufahren und für die eigenen Bedürfnisse über Leichen zu gehen, nutzt er seine Stimme, um etwas zu verändern und den Weg für jüngere Generationen von Hindernissen zu befreien. Es ist kaum zu erwarten, diese bewegende Geschichte auf der Leinwand zu sehen. Bis dahin läuft sein Album on repeat.

Link: https://www.21savage.com/ 

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Text
Ariana Koochi

Veröffentlichung
20.01.2024

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