(c) Dimitrios Zagoudis

Wildes Wiedersehen im Fluc

skug rief und Ana Threat und Fritz Ostermayer kamen, um gemeinsam mit uns am 18. Jänner 2018 im Wiener Fluc den Relaunch unserer Website zu feiern.

Ein skug-event gehört – dies darf als bekannt vorausgesetzt werden – zu den jeweils schönsten Tagen im Leben seiner BesucherInnen. Dumm nur, dass wir seit dem letzten Salon skug im Wiener Rhiz über ein Jahr warten mussten. Wir arbeiten an häufigerer Frequenz, versprochen.

Ohne viel Federlesens entfacht Ana Threat zunächst im Schlagzeugspiel tribale Rhythmen mit äußerst verzerrter Stimme. Dann generiert die Drum Machine einen Voodoo-Beat-Zauber und Ana Threat bricht die großen The Cramps auf One-Girl-Band-Furioso runter, spielt Gitarre mit Reverb- und Tremoloeffekten. Mit Sixties-Surfsounds, knallhart transferiert ins Jahr 2018 und (Hardcore)-Punk im Herzen.

(c) Dimitrios Zagoudis
(c) Dimitrios Zagoudis

Der Fotzhobel steht im gut zu Gesicht. Fritz Ostermayer begleitet damit anfangs sein Schlagermelodien versprühendes Smartphone. Eine Hommage an die Super-8-Pornofilme-Sammlung des burgenländischen Ex-Landeshauptmanns Theodor Kery hat er ebenso im Gepäck wie die Übersetzung des John-Cale-Songs »Dying On The Vine« in Mundart: »Sterbn am Wein«. Wie nicht anders zu erwarten wird dies sehr überzeugend rübergebracht.

Drei neue Songs für seinen Freund Oliver Welter musste Fritz selber singen, weil Naked Lunch grad ein Album aufnehmen. Darunter den Jetzt-schon-Gassenhauer »I Was Wrong«, das inbrünstig vorgetragene Gedicht von W. H. Auden, das dieser seinem verstorbenen schwulen Freund widmete.

(c) Dimitrios Zagoudis
(c) Dimitrios Zagoudis

Schlussendlich die fürchterlich schöne Krönung »Schande«, wo Fritz auch den Part Oliver Welters berauschend wundervoll hinbekommt:

F: Schande über die Sterne – und das Firmament,
schämt euch, ihr Meere – die ihr nur Gezeiten kennt.
Schande über Zeit und Zonen – und übern Lauf der Welt,
Schande über den Regen – und was sonst vom Himmel fällt.
Schande über die Tiere – Schande über Wald und Flur,
Schande über alles Leiden – und die Leidenskultur.

Ai Ai Ai Ai – Ai Ai Ai J-aa – Ai Ai Ai Ai – Ai Ai Ai J-aa

O: Schande über die Toten – und was sonst noch sterben muss,
Schande über letzte Dinge – Schande übern ersten Kuss.
Schande über die Sprache – die uns nur missversteht,
Schande allen Vokalen – nein, dem ganzen Alphabet.
Schande allem, was wir lieben – und was wir hassen auch.
Wer ist hier der größte Schandfleck? – F: Schande über meinen Bauch.

BEIDE: Ai Ai Ai Ai – Ai Ai Ai J-aa – Ai Ai Ai Ai – Ai Ai Ai J-aa

[…]

F: Wir ziehen nun von dannen – doch wir zünden noch was an,
ein Kerzlein für die Schande – die uns niemand nehmen kann.

BEIDE: Bye Bye Bye Bye – Bye Bye Bye J-aa – Bye Bye Bye Bye – Bye Bye Bye J-aa.

Ansonsten erfreut sich das hochverehrte Publikum über rhythmisch ausgewogene Beschallung durch die skug-DJ-Line mit IZC (Chris Hessle), Crème brûlée (David Baum, Frank Jödicke) und erstmals DJ Martinee. Wie bei skug nicht anders zu erwarten, ist das Spektrum unüberschaubar weit, HipHop, Jazz, Footwork, Drum’n’Bass und eine Menge Musik, für die noch kaum Worte gefunden wurden.

Allen ein herzliches Danke fürs Vorbeischauen und bis demnächst.

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