Videopremiere: »Oktoberfest« von Das weiße Pferd

Das weiße Pferd, eine Band um den Songschreiber Pico Be, launcht ihre Audiosingle »Oktoberfest« als Video. Ein Trip durch München, lyrisch inspiriert von Lou Reeds »Coney Island Baby«, feiert das Aufwachsen in Suburbia in rauschhaften Zügen und mit soziopolitischem Konnex.

»Ich bring die Platten in die Stadt / Alles rauscht! « ist eine wundersame Passage aus der neuen Audiosingle, die Rausch als Metapher für Vieles offenbart. Darin lauert Beflügelndes wie Abgründiges. Urheber ist Federico Sánchez alias Pico Be, einer der interessantesten Undergroundmusiker und Texter Germanys, dabei ist er für den echten Underground fast schon zu bekannt. Nicht zuletzt wegen der ultraschrägen Formation Kamerakino, mit der Sánchez mit Homebase Munich seit Beginn der 2000er-Jahre mehrere spannende Alben aufgenommen hat. Mit dem Echokammer-Labelbetreiber und Multiinstrumentalisten Albert Pöschl bildet Sánchez seit ca. 2010 den Nukleus der Formation Das weiße Pferd, die bis dato drei wunderbare Longplayer in ihrer Diskografie parken kann.

Dass die Single »Oktoberfest« heißt, ist dabei fast ein wenig irreführend, dient diese topografische Zuschreibung doch vor allem einer Lokalisierung, ein direkterer Konnex zum Terroranschlag beim Oktoberfest 1980 findet sich gegen Ende des Videos. Stärker im Vordergrund steht bei dem immerhin 5 min 30 Sekunden dauernden Stück eine Coming-of-Age-Story, die auf mysteriöse Weise auf Lou Reeds »The Coach and Glory of Love« anno 1971 und sein daraus hervorgegangenes 1976er-Album »Coney Island Baby« verweist. Die Vergnügungsparks der Halbinsel Coney Island, situiert an der Südspitze Brooklyns, haben gewiss eine Verwandtschaft zur Münchner Wiesn. Doch nach Pico Be geht es auch um das Aufwachsen in der Vorstadt, das Verhältnis zu Autoritäten, aber auch um Lehrer-Schüler-Verhältnisse. Daraus speist sich auch die Textzeile »Jeder Chef hat einen Chef hat einen Chef« im Song. Pico Be stellt aber auch die zentrale Frage, was uns Menschen generell antreibt? Ist es das Geld? Ruhm? Ein nicht näher definiertes Ziel? Oder doch die unschätzbare Anerkennung? Die Motive mögen von Fall zu Fall anders sein.

Gefilmt und geschnitten wurde das gloriose Musikvideo von Susanne Beck, die auch schon für u. a. Friends Of Gas und Moon Not War produzierte und Das weiße Pferd & Friends beim nostalgischen Get-together am Lagerfeuer an einem verregneten Herbstabend begleitete. »Halt mich fest, halt mich im Oktober fest.«