Österreich hat übrigens eine neue Bundesregierung und auch die Menschen mit Fluchterfahrung winken ihr begeistert zu. Allerdings winken sie von unterm Bus, denn da hat man sie – um des lieben Koalitionswillens – hingeworfen. Der Familiennachzug wird zum Beispiel ausgesetzt, weil die Schulen überlastet sind, und viele Grausamkeiten mehr, die zeigen, wie abstrakt und unverständlich das Asylrecht für die meisten Volksvertreter*innen ist. Dabei könnte es eine Perle des österreichischen Rechts sein, denn beim Asyl geht es nicht nur um unsere Bedürfnisse als Herr und Frau Österreicher*in, sondern – kann man sagen – um die Welt als Ganzes. Ihr Elend und ihre unterstützenswerte Schön- und Vielheit. Aber ach. Irgendwie herrscht immer so ein Wettbewerb in Österreich, wer am meisten schiach ist, weil die oder der kriegt die meisten Stimmen und auch die »liberalen« Kräfte der Regierung bemühen sich um »Härte«.
Wer Fluchterfahrung hat, muss sich daran gewöhnen ununterbrochen ein »Integriert’s euch gefälligst!« zugerufen zu bekommen. Integration ist nämlich ausnahmslos Bringschuld. Deshalb bitte fleißig »deitsch« lernen, um irgendwann Zugang zu einer geschlossenen Gesellschaft zu erhalten. Ein weiter Weg, denn das Land öffnet sich nur zögerlich gegenüber dem »Fremden«. Und, ist jetzt ganz Österreich also einfach nur scheiße? Nein, ist es nicht, denn es gibt bekanntlich den Wiener Flüchtlingsball, der seit 31 Jahren das Rathaus bespielt und ihm für eine Nacht jene Vielfalt schenkt, die dem Haus das ganze Jahr über zu gönnen wäre, denn Wien ist ja eigentlich divers und so vielgestaltig.
Bitte bekleidet erscheinen
Die Leitung des Flüchtlingsball erwünscht keinen Dresscode – der Begriff »Ball« ist recht offen in Wien, bittet nur um irgendeine Art von Bekleidung, vermutlich des Anstands willen. Diese Hürde sollte jedes tanz- und partybegeisterte Publikum nehmen können und darf sich dann auf ein reichhaltiges Programm freuen: Die Gewürztraminer sind dabei, es gibt kongolesischen Rumba mit Nsinsani und tanzbare Fusion mit Medhi Chamma. Das sind nur willkürliche Beispiele aus dem vielseitigen Line-up. Auf zwei Bühnen trumpfen ansonsten noch Pop-Rock, Gypsy Swing, transsilvanische Klänge auf und ganz viele Balkan-Rhythmen, denn this is Vienna, Oida! Im überdachten Hof des Rathauses geigt die Open-Air-Disko mit DJ Miss Leema auf, die den weiten Weg aus Hamburg nicht gescheut hat, und viele weitere kundige Plattenaufleger*innen helfen mit, die Nacht zum Tag zu machen.
Auf den gesellschaftspolitischen Anspruch wird auch nicht vergessen. Zum zweiten Mal wird der »Willi-Resetarits-Preis« vergeben, der Musiker*innen ehrt, die sich in ihrer Kunst und in ihrem Leben für das Miteinander in Wien engagieren. Die zuständige Stadträtin überreicht und wird sicherlich daran erinnern, wie wichtig dies alles ist und dass die Einnahmen des Abends dem Wiener Integrationshaus zugutekommen. Denn das bemüht sich tatsächlich redlich, gegen den rechten Zeitgeist zu arbeiten und daran zu gemahnen, dass bei allen fraglosen Schwierigkeiten die Zuwanderung nach Österreich eine Bereicherung ist. Viele, die kommen, haben schließlich ihren eigenen Groove dabei. Wer also am Samstag, dem 5. April 2025 im Wiener Rathaus mittanzt, unterstützt das ein bisschen – immerhin.
Hier die harten Fakten:
31. Wiener Flüchtlingsball
Samstag, 5. April 2025, Wiener Rathaus
Einlass 20:00 Uhr, Beginn 21:00 Uhr
Karten: 49,– Euro (für Studierende und Menschen mit Behinderung 45,– Euro) exkl. Bearbeitungsgebühr der Ticketanbieter. Abendkassa: 53,– Euro
Vorverkauf online bei oeticket, Wien-Ticket, dem Bank Austria Ticketportal sowie in den Wien-Ticket-Vorverkaufsstellen und allen Bank Austria Filialen
Die Einnahmen kommen der Arbeit des Integrationshauses zugute.
