Stereo Total - 28. 3. 2005 fluc_mensa, Wien

Der letzte Abend der fluc_mensa bot den Zuschauern neben Rhythm King & Her Friends und einer riesigen Menge an DJs einen Auftritt von Stereo Total, die (vielleicht) unabsichtlich den Fokus des Abends gerade gerückt haben, und durch einen mittelmäßigen Gig den anderen Akteuren nicht das Rampenlicht stahlen.

Brezel Göring und Françoise Cactus beginnen gleich mit ganz harten Sachen. Noch bevor sie die Bühne betreten, lassen sie ganz bekannte Töne aus der Konserve laufen, bei denen die einen »Moment, das kenn ich doch!« denken und die anderen »Die spielen den Soundtrack zu »A Clockwork Orange«, Wahnsinn!«. Tatsächlich haben Stereo Total auf ihrem neuen Album »Do The Bambi« einen Track namens »Orange Mécanique«, der sowohl die dazugehörige Melodie, als auch einen Textauszug des orangenen Uhrwerks enthält. Man merkt schnell, dass den beiden Verrückten auf der Bühne nichts heilig ist. Gleich nach diesem Einstieg wird »Ich bin nackt« gespielt, ihr derzeitiger Hit. Schätzungsweise sind sogar Leute gekommen, die nur diesen einen Song aus dem Radio kennen und mal sehen wollten, was die Interpreten sonst für Musik machen. Fragt sich nur, ob diese Gruppe von Leuten noch lange geblieben ist. Weiter ging es nämlich mit älteren Stücken wie »Holiday Inn«, »Beautycase« und »Schön Von Hinten«, gepaart mit einigen Balladen, die die Stimmung abkühlen ließen. Und genau davon erholte sich das Konzert dann nicht mehr. Selbst als mit »Wir Tanzen im 4-Eck« und »Liebe Zu Dritt« (bei dem sie eine dritte Person aus dem Publikum holten, um es mit dieser zu singen) die großen Knüller des vorletzten Albums »Musique Automatique« intoniert wurden, wirkten Stereo Total nur mehr routiniert und nicht besonders ambitioniert. Dadurch verblassten die an sich guten Songs ein wenig. Viel gab es also durch die Live-Interpretation nicht zu gewinnen, außer vielleicht die sich schön bewegenden und anzusehenden Körper der Protagonisten und die Erkenntnis, dass sich der liebliche, französische Akzent von Madame Cactus auch »in echt« so wohlklingend und süß anhört wie auf den Platten, die wir kennen.

Und wer es bis dato noch nicht wusste, kann zumindest seit diesem Tag sagen, welche Instrumente den unverwechselbaren Stilmix (O-Ton Presseinfo: »40 % Chanson, 20 % Rock’n’Roll, 10 % Punkrock, 3 % DAF-Sequenzer, 4 % Jacques Dutronc – Rhythmik, 7 % Brigitte Bardot und Serge Gainsbourg, 1,5 % Cosmonaute, 10 % wirklich alte Synthesizer, 10 % 8-bit Amiga-Sampling, 10 % transistor amplifier, 1 % wirklich teure and hochentwickelte Instrumente«) ausmachen: ein kleines Schlagzeug, eine Gitarre und ein Synthesizer. Klar. Bloß irgendwie schade, dass dabei keine runden 100 % herauskommen, sondern mehr. Und manchmal ist eben weniger mehr. Aber vielleicht gibt es dieses Sprichwort im Französischen nicht.