Die Verlierer © Milan Koch
Die Verlierer © Milan Koch

Punk gegen den Weltschmerz

Am 13. September 2025 spielen Die Verlierer aus Berlin mit Unterstützung von C.A.M.O im Flex Café und erinnern uns daran, wofür es sich einzustehen lohnt.

Die Welt ist schlecht und wir sind mittendrin. Während eine Krise die nächste jagt, entblößt die bröckelnde Fassade des Kapitalismus all seine Makel und treibt mal wieder voran, was sich doch eigentlich niemals wiederholen sollte: die westliche Welt rückt nach Rechts. Jahrzehnte der Aufklärung scheinen umsonst, die Sicherheit marginalisierter Gruppen und jener, die sie unterstützen wollen, nimmt stetig ab. Meldungen von Polizeigewalt ohne Konsequenzen, von konsequenten Abschiebungen nach Afghanistan und Syrien, von Antifa-Camps, die völlig überzogen geräumt werden, und von Neonazi-Treffs mit FPÖ-Politikern unter den Gästen: Man sieht den Wald vor schwurblerischen Bäumen nicht. Doch egal wie sehr man sich danach sehnt, die Bettdecke über den Kopf zu ziehen und darauf zu warten, dass der Spuk vorüberzieht – wir müssen rausgehen! Auf Demos, zu Wahlen und auch auf Konzerte.

Nichts funktioniert

Seit ihrer Gründung im Jahr 2020 krächzen, pöbeln und singen Die Verlierer über die Missstände, die sie wahrnehmen, und wiegen sich dabei mal in Zynismus, mal in nötiger Ernsthaftigkeit. Zusammengesetzt aus Teilen der vorangehenden Bands Chuckamuck und Maske wurde das Projekt fast zufällig ins Leben gerufen und ist mittlerweile erfolgreich genug, um als Opener für Iggy Pop zu spielen. Mit einer Diskografie von bisher zwei Alben, darunter das selbstbetitelte Debüt aus dem Jahr 2022 und das zwei Jahre später erschienene »Notausgang« (beide erschienen auf Mangel Records), gewährt die fünfköpfige (Post-)Punk-Band einen vielfältigen Einblick in die Themen, die sie bewegen, und die Art, diese zu interpretieren. Dabei ist das Debütalbum stark beeinflusst vom rotzigen Sound des deutschen Urpunk, von Idolen wie Schleimkeim, Abwärts und A+P, treibt in schwindelerregendem Tempo voran und entzückt durch bissige und clevere Texte. Mit der Stimmgewalt von teilweise fünf zeitgleichen Chören und dem Groove galoppierender Drums schlagen Die Verlierer ein wie eine Lawine, besingen eigene Laster ebenso wie Missmut über die Außenwelt oder kritisieren die kapitalistische Wegwerfgesellschaft, wie auf »Plastic Life«, einer Hommage an »Keine Gnade« von Isolierband. 

Die Allesfresser im Allesfressersystem

Die Schlagkraft des Debüts hallt noch auf »Notausgang« nach, doch wird sie auf dem zweiten Album wiederkehrend gebrochen. Auf dem namensgebenden Titel zum Beispiel sind die Melodien zurückhaltender, der Text webt sich nicht undurchsichtig in forsche Gitarrenriffs ein, er wird deutlich und nachdrücklich verlautbart – weil er nicht überhört werden darf. Die Verlierer stellen ein Armutszeugnis aus für Deutschland, dessen grausame Geschichte kein Mahnmal mehr darstellt, sondern sich bald zu wiederholen droht. Sie drücken Unmut und Ohnmacht aus gegenüber einer Regierung, deren kapitalistische Ordnung dieser Entwicklung keinen Einhalt gebietet, sondern schlussendlich noch davon profitiert. Ein Umstand, der sich nicht nur auf Faschismus übersetzen lässt, sondern ebenso auf die Gentrifizierung Berlins. Diese kommt auf »Fickt diese Stadt« auf ihre wohlverdienten Kosten; mit simplen und prägnanten Parolen. Diese Abwechslung macht »Notausgang« zu einem Album, das die Essenz der Anfänge aufgreift und sie um tiefgehende Ebenen bereichert. 

Combative Anthems Motivate Outcry

Ebenso wie Die Verlierer sind auch C.A.M.O angetrieben von gesellschaftskritischen Texten, die sie jedoch lyrisch chiffrieren. Das Wiener Gemisch aus Mitgliedern von Autor, Denim und Parasite Dreams kombiniert Einflüsse aus Anarcho-Punk, Post-Punk und Death Rock und komponiert dystopische Hymnen, die bis ins Mark wirken. Auf rasanten Wellen verhallender Gitarren und Drumgewittern treibt der Leadgesang unbeugsam und verzehrend in heroischen Echos aus, ist so überwältigend wie erhebend und vermittelt glaubhafte Stärke, die ansteckend ist. Ob ihr euch zu C.A.M.Os »Take It To The Grave« vom Moshpit verschlucken lasst oder während »Stacheldraht« überlegt, dem Lovebomber von letztem Frühling zu schreiben: Wichtig ist nur, da zu sein. Die Musiker*innen zu unterstützen, die uns aus der Ohnmacht hieven, unsere Meinung teilen und sie laut und deutlich verteidigen. Grölt die Texte aus dem Bauch, die Anklagen und Forderungen, auf die sonst niemand hört, die uns aber vereinen, und wiegt euch für einen Abend in der Gewissheit, nicht allein zu sein, nicht so einsam, wie es sich oft anfühlen mag. 

Das Konzert von Die Verlierer und C.A.M.O findet am 13. September 2025 im Flex Café statt und wird veranstaltet von Urban Lurk und Bretford Records. 

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