Pere Ubu, Feierwerk, München, 08.10.09

»Bring Me The Head Of Ubu Roi« – Suspense und Punk

Die aktuelle CD von David Thomas‘ Pere Ubu hei&szligt »Long Live Pere Ubu«. Rückgriff auf die Uridee der Band beginnend mit der »Ubu Overture« führend zu besten schrägschönen Songs.

Geschichtliches zum Thema: 1885 enstand die Figur des Pere Ubu als Schülertravestie. Wurde zum Marionettentheater. In den 1890er Jahren dann schrieb Alfred Jarry den Text »Ubu Roi« und 1896 kam es zur Uraufführung des Stücks. Zeitsprung. Die Band Pere Ubu wurde 1975 gegründet und existiert seitdem in wechselnden Besetzungen und mit Unterbrechungen.

Pere Ubu bringen mit »Bring Me The Head Of Ubu Roi« eine Adaption des Ubu-Materials derzeit szenisch auf die Bühne. Etwas ratlos verfolge ich den ersten Teil der Show. Da scheint ein Kaliber wie David Thomas mit seinen Bandmusikern dem Schülertheater nahe, ob es eine Dramaturgie gibt ist nicht zu erahnen, dafür diverse Anspielungen der einen oder anderen Art und dazu funktioniert die Technik nicht wie sie soll, was auch zur Inszenierung gehören könnte. Alles wieder Punk. Ob David Thomas zu schlecht gelaunt ist, mehr Bühnenpräsenz zu entwickeln oder ob das Bühnenfigur ist, bleibt dabei fraglich. Erst im zweiten Teil besinnt sich Thomas offenbar auf sein eigentliches Niveau und seine Ausstrahlung. Klar wird dann auch, dass das bruchstückhaft Songartige, das, gerade erst begonnen, immer ziemlich schnell wieder in Textmaterial faded, Konzept ist für intendierte Wirkung. Den ganzen Abend über möchte man aber eigentlich die musikalische Kraft der Band erleben, so wie man sie kennt und bekommt davon gerade mal Fragmente inmitten von sperrigem, zynischem, dilettantisch wirkendem Theater. Mit manch eindringlichen Szenen, wie etwa David Thomas kommunizierend mit seinem eigenen Schatten auf einer Diaprojektion mit abstrakten und konkreten Bildern. Ob die Flasche, aus der er dabei trinkt, Requisit ist oder ob Thomas wirklich Alkohol in sich hineinkippt, lässt sich dabei nicht genau sagen. Und ob er manchmal wie der Schatten seiner selbst ist oder auch das gespielt ist, genauso fraglich. Zu befürchten, dass David Thomas auf dem Weg ist wie Jarry, sich selber als Ubu zu zerstören? Es sind die Ebenen von Musiker, Schauspieler und der Persönlichkeit von David Thomas abwechselnd möglich und auftauchend. Dass das Stilmittel ist: willkürlich oder gezielt zwischen verschiedenen Persönlichkeiten zu wechseln und Disparates, Auseinanderfallendes aneinaneinanderzureihen, zeigt sich völlig, als gegen Ende der Aufführen sich auf einmal doch und wie überraschend Gesamteindruck entfaltet. Doch frage ich mich, warum David Thomas sich nicht mit einem guten Regisseur zusammengetan hat, um das Ganze auf eine grö&szligere Theaterbühne zu bringen. Und zwar perfekt. So hätte ich es gern gesehen. So aber war es ein Abend für etwa 50 Insider. Und vielleicht soll es auch genau das sein. In der Tradition der Independentszene. So wie ich es über die Jahre immer wieder erlebt habe. Und manchmal auch vermisst habe, als es gerade nicht zu finden war.
Als Zugabe legen Pere Ubu dann in gewohnter Bandmanier los. Was man sofort genie&szligen kann. Und sind fast Garage wie zu alten Zeiten. Wobei aber auch wieder klar wird, dass die Aufführung eigentlich eine Nummer zu klein war für den im Grunde gro&szligen David Thomas. Der relaxt plaudernd nach der Show erscheint und offenbar also auf keinem Selbstzerstörungstrip ist. Sondern einfach Lust hat, mehr denn je mit den Mitteln der Inszenierung zu spielen.

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