Amadinda Sound System feat. I-Wolf © Georg Cizek-Graf

»My kinda Gqom«

Drei Tänzerinnen/Sängerinnen, ein analoger Instrumentalist/Sänger und ein elektronischer Maschinist sorgen für fulminante Culture-Clash-Reibung: Das Amadinda Sound System feat. Wolfgang Schlögl aka I-Wolf brachte am 11. August die Besucher*innen des Porgy & Bess in Wien an den Rand der Ekstase.

Das Amadinda Sound System feat. I-Wolf feierte seine Premiere 2016 beim renommierten Bayimba-Festival in Uganda: Die NGO Kulturen in Bewegung brachte in Kampala Protagonist*innen der traditionellen Musik- sowie Dance- und HipHop-Szene Ugandas mit österreichischen Musiker*innen zusammen, verewigt auf dem Album »The Black Pearl Tapes, Vol. 1« (Seayou Records). Am 11. August 2018, nach dem Gastspiel beim ImPulsTanz-Abschlussfest, war im intimen Rahmen des Jazz-and-Music-Clubs Porgy & Bess in der Wiener Riemergasse zu beobachten, dass die Globalisierung auch ihre guten Seiten hat.

Instrumentenkunde
Zunächst wird u. a. die Amadinda, das den Bandnamen gebende ugandische Balafon, vorgestellt. Als Wolfgang Schlögl seine elektronische Gerätschaft anwirft, bricht sich die grandiose Liaison von archaischer Musizierweise und moderner Clubmusik ihre Bahn. Die Vokalistin Drichiru Key kratzt mit einem Holzstock ein kleines trapezförmiges Waschbrett und traktiert damit auch dessen Holzverbindungen. Multi-Instrumentalist Lawrence Okello klöppelt auf der Amadinda raffinierte Synkopen, während I-Wolf souverän mit Beats mit Betonung auf Bassdrum sowie passenden Samples interagiert. Das fährt und hallt nach. Okello wechselt an die Trommel, worauf Schlögl mit Bassdrum-Stakkato-Drones Meter macht. Die Vokalistinnen/Tänzerinnen Tushi Polo (die kürzlich als Rapperin beim FemFriday im Weltmuseum auftrat), Drichiru Key und Barča Baxant singen auf Luganda und Englisch und deklamieren: »My kinda Gqom«. Analoge Rhythmen prallen auf den heftigen südafrikanischen Post-House-Style, kinda ugandisch-austriakisch! Oh yeah, it got rhythm! Und wow, jetzt geigt Okello auch noch auf einer kleinen einsaitigen Holzvioline! Archaischer, monotoner Minimalismus und Gqom schmelzen gut zusammen.

Im Auge des ekstatischen Orkans: Lawrence Okello, Drichiru Key, I-Wolf © Georg Cizek-Graf

Getanzte Ekstase
Zwei Drittel des Publikums sind mittlerweile auf die Tanzfläche geströmt und die Tänzerinnen auf der Bühne üben sich in wilden Verrenkungen. »Ride on!« ruft I-Wolf und tatsächlich lässt sich das ekstatische Treiben noch steigern. Gar mit Flöte! Oder mit der Adungu, einem harfenähnlichen Saiteninstrument! Zum Schluss wechselt erhebender Call- und Response-Gesang zwischen Okello und den Sängerinnen. Mit dem Refrain »Success, happiness, no stress« bringen es die drei Sängerinnen in einem ihrer Lieder, die auch auf dem zweiten, im Herbst 2018 erscheinenden Longplayer »Futur Africa Pt. I« zu hören sein werden, auf den Punkt. Es braucht etwas, um die Ekstase anzurühren. Das Amadinda Sound System hat das Rezept gefunden. Es evoziert Frohsinn und es macht frei, so viel Lebensfreude auf der Bühne sprühen zu sehen und mitzutanzen.

Ugandisch-Austriakische Freundschaft © Georg Cizek-Graf

Link: https://kultureninbewegung.org/projekte/amadinda-sound-system/