Lukas Kranzelbinder © Severin Koller

Mit neuen Konzepten das Feuer weitergeben

Vom 22. bis 25. August 2019 geht das Jazzfestival Saalfelden in die 40. Runde und feiert somit ein bedeutendes Jubiläum. Anlässlich des Jubeljahres hat man sich neue Formen und Konzepte für die Jazz-Vermittlung ausgedacht.

Die Asche anbeten. Das ist offenbar nichts, was den Intendanten des Jazzfestivals Saalfelden, Mario Steidl, allzu brennend interessiert. Auch für fix-fertige Working-Bands und vorgefertigte Konzepte, die man ohne weiteres von anderswo nach Saalfelden transferieren könnte, ist er nur schwer zu begeistern. Stattdessen hat er sich zusammen mit seinem Team zum Jubeljahr neue Mittel ausgedacht, um den Jazz, dem ja nur allzu gerne das Etikett »elitär« und »Altherrenmusik« umgehängt wird, einem jüngeren und breiter gestreutem Publikum näherzubringen.

Artists in Residence
Damit das gelingt, gibt es 2019 erstmals und gleich zwei »Artists in Residence«. Das Konzept geht über den bisher vergebenen Kompositionsauftrag an österreichische Musiker*innen für das Festival hinaus und schließt doch letztlich dort an. Während letztere »nur« die Komposition für die traditionelle Eröffnung des Festivals schreiben durften, haben die neuen Artists wesentlich mehr Befugnisse und Möglichkeiten zur gestaltenden Einflussnahme. Sie dürfen sich nicht nur, wie die erwählten Komponist*innen, Musiker*innen ihrer Wahl aussuchen und gegebenenfalls auch einfliegen lassen, sondern sich auch Orte auswählen und Konzepte ersinnen.

»Maja Osojnik hat sich beispielsweise gleich mehrere Bühnen ausgesucht, darunter das alte Gericht«, verrät Mario Steidl. »Sie wird definitiv auch Kunstgrenzen überschreiten«, deutet er außerdem an. Als zweiten Künstler fiel die Wahl auf den ebenfalls für gewagte Grenzüberschreitungen bekannten Lukas König, der auch schon mal in der elektronischen Musik oder im HipHop wildert und dort eine ebenso gute Figur macht wie als avancierter Impro-Schlagzeuger.

Maja Osojnik © Rania Moslam

App und Flashmobs
Neben der programmatischen Wahl dieser Residence-Artists, denen Steidl wohl zu Recht Entdeckerdrang, einen neuen Blick auf Festival und Stadt und Innovationsgeist zutraut, möchte man darüber hinaus dem alten und traditionsreichen Jazz-Geist mit dem Namen Spontanität neue Kanäle anbieten, um sich bestens entfalten zu können. Beschwört werden soll dieser etwa mit einer neuen App, mit Hilfe derer sich Musiker*innen zu spontanen Impro-Sessions verabreden können.

Spontanität darf auch in Großbuchstaben für die geplanten Flashmobs stehen. Der österreichische Bassist Lukas Kranzelbinder steht in diesem Jahr für das Versprechen, dass täglich zwei Flashmobs stattfinden, die rund 15 Minuten zuvor angekündigt werden. »Ich kann nur so viel verraten: Es werden sehr viele gute Bassist*innen bei diesen Flashmobs mit dabei sein«, erzählt Steidl dazu.

Herzstück, Programmierung und Ränder
Neben diesen neuen Ideen und experimentellen Konzepten setzt das Jazzfestival Saalfelden aber auch 2019 auf altbewährte Formen. So ging der Kompositionsauftrag in diesem Jahr an den Bassisten Manu Mayr, der in ungewöhnlicher Duo-Form mit Susanna Gartmayer die Festivaleröffnung gestaltet. »Die Hauptbühne und die Shortcuts bleiben zudem das Herzstück des Festivals«, betont Mario Steidl angesichts der vielen Konzept-Novitäten in diesem Jubeljahr. »Aber wir machen auch etwas in einem schönen, grünen Park, dort haben wir dieses Jahr auch FM4-DJs«, zeigt er sich erfreut, gibt sich in musikalischer Hinsicht abenteuerlustig und schwenkt damit vom Herzstück zu den Rändern des Festivals. Die Absicht ist jedenfalls deutlich: Die jungen Hörer*innen im Park sollen in das Festival und in die Welt des Jazz hineinzogen werden. So dürfen sich die jungen Hörer*innen im Park beispielsweise auch auf integrierte Impro-Elemente freuen.

Beim Herzstück des Festivals hatte man konkrete ästhetische Prämissen. »Es ist für uns wichtig, dass wir Leute einladen, die sich in unterschiedlichen Genres geschickt bewegen«, hebt Steidl die Programmierungsgrundlagen des Festivals hervor. »Schön ist es natürlich auch, wenn sich in Saalfelden neue Bands finden«, skizziert Steidl einen weiteren Anspruch des Festivals.

Lukas König © Moritz Bichler

Intendanten-Highlights
Befragt nach den ganz persönlichen Highlights nennt Steidl den Gitarristen Julien Desprez, der am 22. August um 22:30 Uhr mit dem Trio Abacaxi bei den Shortcuts auf der Bühne stehen wird. Auch auf den britischen Multiinstrumentalisten Elliott Galvin freut sich Steidl sehr. Dieser kann etwa am 24. August um 12:00 Uhr im Duo mit Blinker Golding ebenfalls bei den Shortcuts erlebt werden. Julien Desprez begegnet man weiters am 24. August um 20:30 Uhr auf der Mainstage, dieses Mal mit dem Rob Mazurek Ensemble.

Auch die Wanderung am Mittwoch, die bereits am 21. August stattfindet, liegt dem künstlerischen Leiter des Festivals hörbar am Herzen. »Mit dabei sind da unter anderem der Schlagzeuger Jim Black, Lukas Kranzelbinder und der Sänger und Stimm-Performer Christian Reiner«, erklärt Steidl. Highlight dieser Wanderung, die bereits um 9:30 Uhr beginnt, ist das Abschlusskonzert und eine kräftige Brotzeit.

Fazit
Das Jazzfestival Saalfelden traut sich 2019 mehr als je zuvor. Man experimentiert, sucht neue Formen, überschreitet Genre-Grenzen. Die neuen Formen in diesem Jahr dürften auch neue Publikumsschichten ansprechen und noch mehr Menschen für Jazz begeistern. »Wir hatten heuer jedenfalls bisher einen Kartenvorverkauf wie niemals zuvor«, zeigt sich Steidl jetzt schon euphorisch und optimistisch im Hinblick auf das, was noch kommen und in diesem Festivaljahr passieren mag.

Link: https://www.jazzsaalfelden.com