Während anderswo Festivals ihre Headliner als Marketing-Trophäen durch die Arena jagen, bleibt Wels störrisch. Music Unlimited, 1987 aus einem Kulturverein heraus geboren, hat nie auch nur den Versuch unternommen, gefällig zu sein. Denn von 7. bis 9. November 2025 verwandelt sich Wels erneut in ein Laboratorium für Musik, die keine Grenzen kennt. Die 39. Ausgabe von Music Unlimited – organisiert vom Kulturverein Waschaecht in enger Zusammenarbeit mit dem Alten Schl8hof – bleibt seiner Tradition treu: gleichzeitig offen und kompromisslos. Seit 1987 hat sich das Festival als internationales Mekka für Freund*innen experimenteller Klänge etabliert und bietet Jahr für Jahr ein Programm, das weit über Genregrenzen hinausweist. Austragungsorte sind – wie gewohnt – der Alte Schl8hof, die Landesmusikschule Wels und das Bildungshaus Schloss Puchberg. Zwischen rauem Industriecharme und konzentrierter Konzertatmosphäre entsteht ein Raum, in dem Improvisation, Jazz, Noise, Elektronik, Neue Musik, Rock, HipHop und weltmusikalische Ansätze gleichberechtig nebeneinanderstehen. Seit der Gründung haben mehr als tausend Musiker*innen in Wels gespielt.
Große Namen und spannende Entdeckungen
Das Line-up ist ein Statement: Das sagenhafte Vienna Improvisers Orchestra unter der »instant-composing guidance« von Michael »Feedback Saxophone« Fischer trifft auf die Energie von Fire! & Oren Ambarchi, dem australischen Multiinstrumentalisten und Komponisten, Soap&Skin begibt sich gemeinsam mit Lukas König auf unerwartete Wege, während Ensembles wie Jejaweda (mit Jaap Blonk!), plÜscH – drei Saxofonistinnen, unterstützt von einem Drummer – oder Limosa Limosa – geleitet von Nelida Karr aus Äquatorialguinea und Luc Ex – ihre Farben ins Festival tragen. Der 1945 geborene, legendäre japanische Saxofonist Akira Sakata wird ebenso präsent sein wie das Trio mit Darin Gray und Chris Corsano, dazu kommen Nachmittagskonzerte mit Petr Vrba & Andria Nicodemou oder dem Projekt »Flowers We Are« mit dem Kontrabassisten Matija Schellander, der serbischen Ausnahmepianistin Marina Džukljev und dem Cellisten Noid, auch bekannt als Arnold Haberl, der in Wien den »blöden dritten Mittwoch« veranstaltet. Internationale Größen und lokale Initiativen verdichten sich so zu einem Kaleidoskop der Gegenwartsmusik. Ein endloses Frühstück gibt es obendrein – mit der Brasilianerin María Portugal am Schlagwerk.
Der experimentelle Geist des Festivals …
… wird auch durch seine Struktur getragen: Seit den frühen 1990er-Jahren wird Music Unlimited von wechselnden Musiker*innen kuratiert, wodurch sich immer neue Perspektiven eröffnen. Nach der 2024er-Ausgabe unter dem Motto »The Future in Both Directions«, kuratiert von Ken Vandermark, wird die 2025er-Ausgabe des Festivals turnusmäßig wieder als eine von den Expert*innen des Kulturvereins waschaecht kuratierte Version durchgeführt. Die Ticketpreise bewegen sich zwischen 20 und 150 Euro. Es gibt eine große Auswahl an Eintrittskarten, sie reicht von einer einzelnen Nachmittagskarte über Tageskarten bis hin zu unterschiedlichen Festivalpässen; Mitglieder von Waschaecht oder des Alten Schl8hofs genießen weiterhin 50 % Ermäßigung. Wer also Klangkultur abseits ausgetretener Pfade sucht, sollte sich den Termin im November vormerken. Music Unlimited bleibt ein Ort, an dem das Unerwartete zur Selbstverständlichkeit wird – ein Fest für Klangpioniere, ein Fixpunkt im europäischen Festivalherbst und ein lebendiges Zeichen dafür, dass Wels seit fast vier Jahrzehnten immer wieder neu zum Zentrum der musikalischen Avantgarde wird.











